Katrin&Julius

Our Year in Capetown

2006/03/02 - Castle & Aquarium

Bilder zu diesem Bericht findet Ihr unter: http://katrinworlich.tripod.com/castle_und_va_waterfront/

 

Eigentlich hatten an diesem Tag vor, endlich mal ans Kap zu fahren, da wo jeder Tourist einmal gewesen sein muss, wenn er Südafrika besucht. Doch der Wetterbericht warnte vor starkem Wind bis 60km/h und 18°C. Die Wintergeplagten Deutschen stöhnen jetzt sicher und beneiden uns um derartige Temperaturen, aber wir können Euch versichern, dass es wirklich frisch wird, wenn einem bei 18°C die Seeluft um die Ohren peitscht. Afrikaner tragen bei diesen Verhältnissen abgesteppte Mäntel, Schaal und Mütze. Wir fragen uns auch schon, was getragen wird, wenn hier Winter ist. Bleibt zu berichten.

Wir entschlossen uns also, in der Stadt zu bleiben. Zunächst besuchten wir das Castle of Good Hope, erbaut von den ersten holländischen Kolonialherren, im 17. Jahrhundert. Einige Zimmer waren noch so eingerichtet wie zur damaligen Zeit, einfach, praktisch, Möbel aus Holz, Gefäße aus chinesischem Porzellan, Kupfer und Korbgeflechten. Es roch auch nach altem Holz. Ich liebe diesen Geruch, denn er erinnert mich immer an die Bauernmuseen der Gehöfte in der Oberlausitz und die Garage meines Opas, in der wir als Kinder unsere Puppenmöbel gezimmert haben. Man konnte sich auch anhand von Gemälden und Skulpturen ein Bild von der damaligen Zeit machen und sich zurückversetzen lassen.

Die Romantik der Bilder konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die damaligen Verhältnisse nicht einfach waren. Man musste dem Boden mühsam Essbares abgewinnen, die Verteidigung gegen die englischen Einwanderer brachte lange blutige Schlachten mit sich und die Ureinwohner arbeiteten in Sklaverei für die weiße Herrschaft.

Dennoch war und ist Südafrika Verheißung für viele Menschen und das Land der Guten Hoffnung.   

Nach diesem beeindruckenden Rundgang durch die Geschichte aßen wir zu Mittag beim Afrikaner an der Victoria und Alfred Waterfront. Wir wagten uns erneut an fremdländische Spezialitäten und wurden auch hier positiv überrascht. Bestellt hatten wir Huhn mit Maisbrei und undefinierbaren Zutaten. Die Kellnerin lächelte auf unser Nachfragen hin und meinte, wir sollten uns keine Sorgen machen, die Wahl wäre ausgezeichnet. Zunächst kam der Teller mit Meisbrei, der für sich nach nichts schmeckte. Daneben lag eine Oblate. Wie wir feststellten war es ein Teig aus Bohnenmehl, in Öl ausgebacken. In einem rustikalen Krug kam dann das Hühnerfleisch in einer hellen Soße, die nach vielen fremdartigen Gewürzen schmeckte, unter anderem war Kokos, Lakritze und Chili zu identifizieren. Gewöhnungsbedürftig aber lecker. (Selbst die Möwen mopsten sich, frech wie sie sind, noch die letzten Knöchelchen vom Teller.)

Natürlich fanden wir auch heut unsere Freunde, Familienmitglieder der Robbenkolonie, vor und beobachteten sie eine Weile.

Unser Nachmittagsziel war das Two-Oceans-Aquarium. Wir erstanden eine Jahreskarte, denn die kostet gerade einmal soviel wie zwei Besuche. Die schaffen wir auf jeden Fall! Die Fütterung von Robben, Pinguinen und Fischen machte nicht nur den Kindern Spaß. Unser Liebling wurde eine alte Schildkrötendame. Natürlich gab es auch die allseits beliebten Seepferdchen zu bestaunen und viele kleine „Nemos“.  Ein flaches Becken lud den Besucher dazu ein, sämtliche darin befindliche Seebewohner zu betasten, darunter verschiedene Arten von Algen, Muscheln, Seesternen und Schwämmen.

Sehr interessant war zu erfahren, dass es in Südafrika zwar immer mehr Übergriffe von Haien auf Menschen gibt, daran jedoch der Mensch selbst schuld ist. Denn im Normalfall wagen sich die scheuen Jäger nicht in Küstennähe. Durch das Angebot der Haibeobachtung für Touristen, werden die Tiere jedoch mit Ködern angelockt und wagen sich daher immer häufiger in menschliche Nähe. Die 6 bis 9 Fälle von Haiangriffen pro Jahr sind aber ein Versehen des Haies und stehen in keiner Relation zu den sonstigen Todesursachen von im Meer Badenden. Des Weiteren sind viele Arten von Haien vom Aussterben bedroht und das wiederum haben sie ebenfalls dem Zutun der Menschen zu verdanken. Hunderttausende verenden als Beifang in den Fischernetzen der großen Trawler, andere werden wegen ihrer Flosse gejagt, die in einigen asiatischen Kulturen als Heilmittel dient. Das brauche ich Euch aber nicht zu erzählen. Derartige Berichte gibt es ja zu Hauff.    

Jedenfalls kann man sich stundenlang vor den großen blauen Fenstern vertummeln und super dabei abschalten.