2006/05/30 - Sehenswertes
Bilder findet ihr unter: http://edwinbeutel.tripod.com/innenstadt/
Am Sonntag wollten wir Unterkünfte in den Wildparks buchen für unseren bevorstehenden Urlaub im Juni/Juli. Wir fuhren schon früh in die Stadt, denn die dafür zuständige Information sollte nur bis 13Uhr geöffnet haben und wir wollten alles in einem Aufwasch machen. Leider waren wir wenig erfolgreich. Die Information hatte zwar geöffnet, aber nicht die Anmeldung für Accomodations. So mussten wir unverrichteter Dinge wieder abziehen.
Montag versuchten wir es gleich noch mal. Diesmal nütze uns das frühe Aufstehen nicht viel, denn wir gerieten in den morgendlichen Berufsverkehr auf der N1 Richtung Kapstadt. Wo wir Sonntag noch durchbrausen konnten wie auf einer Rennstrecke, ging es nun mehr mit Tempo 20kmh voran. Zudem hatte sich noch ein Unfall mit einem Motorradfahrer ereignet. Schon am Vortag hatten wir eine bedenkliche Situation erlebt und nun schon wieder.
Im Rückspiegel näherte sich am Sonntag eine Gruppe Motorradfahrer. Ich sagte zu Julius noch er solle doch bitte die Spur halten und warten, bis alle vorbei sind. Rechts und links sausten die Biker an uns vorbei. Unheimliches Gefühl. Doch an einem Berg kroch vor uns ein LKW hoch und wir mussten ausweichen. Im Rückspiegel näherte sich ein weiteres Motorrad, wir waren schon am rausziehen, da zischte es links an uns vorbei und nahm fast den Seitenspiegel mit. Das hätte beinahe geklappt.
Dieselbe Aktion am Montag. Alles schleicht so vor sich hin, plötzlich ein Ruck und dann sah man einen schlenkernden Biker sich durch die Reihen schlängeln. Der junge Mann hätte auch um Haaresbreite wieder unseren Spiegel mitgenommen. Der Windzug seines Vorbeifahrens war jedenfalls deutlich spürbar gewesen. Was für ein Schreck.
Ich verstehe ja beide Seiten, die Autofahrer, welche sich beschweren, dass man Motorräder nie sieht, weil sie so schnell ran sind und sich überall durchdrängeln an den unmöglichsten Stellen, die Motorradfahrer, die glauben, Autofahrer bremsen sie immer aus, schnippeln oder blocken.
Doch wir haben am eigenen Leib erfahren, wie es zu gefährlichen Missverständnissen kommt. Wir wollten den schnelleren beweglicheren Motorradfahrer vorbei lassen, doch er saß noch hinter uns. Als wir dann geblinkt und rausgesetzt hatten, befand er sich plötzlich direkt neben uns und zog noch gerade so vorbei.
Und ich verstehe nicht, dass man da als der offensichtlich schwächere Part nicht NOCH vorsichtiger fährt. Jedenfalls lag der Biker vom Montagsschreck, wenige Kilometer weiter dann auf der Mittelspur neben seinem Motorrad, plus Krankenwagen, plus Trage.
Die Buchungen für die Unterkünfte hatten wir dann bis Mittag geschafft, obwohl das auch nicht einfach war, denn die Systeme im Büro waren so langsam, dass die Buchungsübertragung und der Ausdruck der Bestätigung/Rechnung jedes Mal fast 10 Minuten gedauert hat. Wir haben also nur die Übernachtungen in den drei Nationalparks, Wilderness, Tsitsikama und Addo Elephant Park gebucht. Die Unterkünfte für die Städte wie Knysna, Durban, Kimberley usw. buchen wir in Backpackers über Internet.
Nach einem Burger bei Wimpies mussten wir umparken, da die Parkzeiten in der Innenstadt meist auf 60 bis 120 Minuten beschränkt sind und entschlossen uns noch in der Stadt zu bleiben. Wenige Straßen weiter stellten wir unser Auto wieder ab und fanden uns direkt neben einer wunderschönen Kirche wieder. Diese war sogar geöffnet und wir gingen mal schauen. In Wirklichkeit war das die älteste Kathedrale Süd Afrikas, die St Georgs Kathedrale (anglikanische Kirche). Sie ist wunderschön mit bunten Fenstern, hölzernen Figuren, Gemälden auf Leinwänden, zwei kleinen Kapellen neben dem Chorraum, und einem großen goldenen Kreutz schwebend im Altarraum. Im Hinterhof war ein Labyrinth. Nicht so eines, wo man sich verirrt, wenn man durch geht. Es ist einfach eine kreisrunde Figur auf den boden gebracht und man versucht von Außen bis zur Mitte zu gelangen und zurück. Das dauert ein ganzes Stück, aber ist lustig.
Nach der Kirche hatten wir kein wirkliches Ziel vor Augen. Wir ließen uns von unserem Gefühl leiten und landeten in einem Park. Am Rand des Parks standen Villen, in denen nur Staatsmänner wohnen konnten. Weiße Paläste mit Statuen im Garten, Säulen am Eingang und massiven stählernen Toren am Eingang. Irgendwie sah alles so aus, als könnte man auch in Paris im Regierungsviertel stehen, europäisch eben. Und plötzlich hüpfen um uns herum kleine graue Tierchen mit buschigem Schwanz und guckten uns neugierig an. Ich wollte eins der Eichhörnchen fotografieren und hockte mich hin, um es besser ins Profil zu bekommen, und machte mit der Hand eine Krümelgeste, damit es zu mir schaut. Plötzlich verschwand es aus dem Bereich meiner Linse und an meinen Fingern spürte ich ein weiches zaghaftes Schnüffeln. Hihi!
Die süßen Dinger wollten einfach was zu naschen haben und kannten es schon gefüttert zu werden. Wir hatten nichts mit, aber wenn wir wieder in der Nähe wären wollten wir sicher etwas dabei haben.
Der Park roch auch richtig schön. Es gab richtige Eichen, die ihre Blätter zum Winter abgeworfen hatten und das Laub roch richtig nach europäischem Wald. Das war ein Hochgenuss für unsere Sinne. Sicher ist es schön, trockenen Wald zu riechen, wie bei der Wanderung in Silvermine im Sommer. Aber es ist noch mal was ganz anderes, richtigen Laubwald zu riechen. Hab ich schon mal gesagt, wie schön Europa ist?!
Im Park befand sich auch das Nationalmuseum. Davor tummelten sich hunderte von Schülern und es gab auch einen Eismann. Julius musste natürlich eins haben und erstand für sage und schreibe 1,50 Rand, also 19 Eurocent ein Eis, wofür wir in Supermärkten und sonst wo bisher 10-25Rand bezahlt hatten, also 1,50-3Euro. Man muss echt wissen, wo man in Kapstadt hingehen muss, dann kommt man richtig günstig weg.
Eine extra Anlage im Park war bepflanzt mit besonderen Gras-, Baum- und Straucharten. Hier wuchsen die ungewöhnlichsten Pflanzen. Zum Beispiel wuchs der Weihnachtsstern im Freien, aber nicht in der Größe einer Topfpflanze, wie sie in fast jedem deutschen Haushalt steht, sondern als Baum oder wenigstens hohen Busch. Und jeder kennt die Aloe-Vera Pflanze, Blattsukkulenten mit dicken fleischigen wässrigen Blättern, die am Boden wächst. Hier wuchs ein Aloe-Tree, ein meterhoher Baum. Außerdem beeindruckend war eine Art des Bambus, nein, nicht die dünnen Halme die bei manchen am Gartenteich wachsen. Diese hier waren so dick, dass man sie mit beiden Händen nicht umgreifen konnte und 20-30m hoch (so hoch, dass sie nicht auf unser Foto passten).
Wie gern hätten wir den ganzen Tag in diesem Stadtteil verbracht und noch hier und da herumgestöbert und geschaut, aber wir mussten zurück. Wir hatten noch einen Vortrag vorzubereiten für eine Präsentation am Dienstag. Doch wir hatten uns vorgenommen wieder zu kommen und uns diesen Teil der Stadt und die Museen näher anzusehen, vielleicht an einem regnerischen Tag.