Katrin&Julius

Our Year in Capetown

2006/09/26 - Elternbesuch

Bilder zu diesem Beicht findet ihr hier: http://edwinbeutel.tripod.com/gabi_und_peter_in_sa/

Meine Eltern waren zu Besuch in Südafrika. Nach einem langen Flug mit wenig Schlaf kamen sie Samstag, den 09 September 2006 um 21.35Uhr in Kapstadt an. Wir brachten sie dann in ihre Unterkunft, das Lady Victoria Guest House, wo sie schliefen, wie schon lange nicht mehr.

Das Wetter am Sonntag, den 10 September 2006 war wundervoll. Auf dem Signalhill bekamen die Beiden einen Überblick über Kapstadt und Umgebung. Auf dem Greenpoint Market holten sie sich Eindrücke von Kunst und Handwerk aus dem Land. Über das Silvermine Naturschutzgebiet zwischen den beiden Meeresseiten der Halbinsel fuhren wir Mittag nach Simonstown, um die Pinguine am Boulders Beach zu besuchen. Zunächst wurden wir jedoch von einem kleinen Stau gebremst. Autos standen auf der Straße und Menschen stiegen aus, um auf das Meer hinaus zu schauen. Was war denn da bloß los?

Wenige Meter vor der Küste schwamm ein Wal mit Kalb und spielte mit den flossen, zeigte mal den Rücken, mal die Bauchflosse und prustete gelegentlich eine Nebelfontäne in die Luft.

Gabi und Peter hatten echt Glück, einen Wal am ersten Tag und so nah zu sehen. Das war selbst uns noch nicht passiert.

Nach Boulders Beach, an dem sich leider die Touristen stapelten und viele Pinguine im Meer herum trieben, weil high tide war, fuhren wir weiter zum Kap. Dort erklommen wir den Aussichtspunkt und liefen ebenfalls bis zum neuen Leuchtturm.

Essen waren wir bei Oceans Basket an der Waterfront am Abend.

Am Montag, den 11 September 2006, war es sonnig aber nicht all zu heiß. Wir bestiegen also den Tafelberg. Das war mal wieder ziemlich anstrengend, vor allem nach mehreren Wochen hinter dem Schreibtisch. Wenige Meter vor Ankunft kamen uns Touristen entgegen, die uns warnten, es wäre bitterkalt oben und die Tafelbergbahn führe nicht. Genauso wären das Restaurant und der Souvenirshop geschlossen. Das war leicht beängstigend, denn wir hatten nur Wasser für einen Weg mit und nichts zu Essen außer einem Apfel, der schon beim Aufstieg dran glauben musste.

Oben angekommen waren wir erst mal froh. Die Beine waren weich und der Rücken durchgeschwitzt. Und es blies ein kalter Wind. Das Thermometer an der Station der Tafelbergbahn sagte 7°C und dazu gab es ein ordentliches Lüftchen. Es fühlte sich an wie 3-4°C.

Aber wir hatten Glück. Die Bahn fuhr wieder. Zunächst nur für die Angestellten des Restaurants und des Shops, dann auch für Besucher. Und es gab etwas zu essen und heißen Tee. Wie wunderbar! Also genossen wir erst den Ausblick um uns dann zu stärken. So herum hatten wir es gut gemacht, denn es legte sich ein Wölkchen auf den Tafelberg, in dem man später nichts mehr sah. Zurück im Tal wärmte uns die Sonne wieder auf.

Wir spazierten in Campsbay am Strand entlang und kletterten über Stock und Stein. Der Wind brachte schon ordentliche Wellen mit sich.

Wir ließen unsere Eltern einen Smoothie probieren und tranken danach Kaffee bei Muc and Bean. In Bellville waren sie dann das erste Mal in einer schwarzen Gegend, was doch im ersten Moment ein ungewohnter Anblick mit komischem Bauchgefühl gewesen ist. Unseren Campus fanden sie schon ganz ok, nur etwas trist, nicht zuletzt wegen der Abgeschiedenheit.

Am Abend holten wir nach einem leckeren Essen beim Inder in der Tygervalley Mall ihr Leihauto am Flughafen ab, mit dem sie sich tapfer wieder zum Guest House durchgeschlagen hatten. 

Dienstag und Mittwoch mussten meine Eltern sich kümmern. Für Mittwoch lag eine Hausarbeitsabgabe an, ein Practical und eine Präsentation von einer Stunde. Noch in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch saßen wir daran, die Hausarbeit zu vervollständigen, zu korrigieren und an den Appendix sowie der Bibliographie zu arbeiten. Mittwoch gab es dann Probleme mit dem Druck, denn unsere Schriftart von bestimmten Bestandteilen der Arbeit wurde nicht erkannt. Erst haargenau zum Beginn der Stunde war das Dokument gedruckt und fertig zur Hand. Da mussten wir auch schon präsentieren, was wir irgendwie auch noch nebenbei vorbereitet haben. In diesen Tagen stießen wir an unsere Leistungsgrenzen.

Donnerstag, den 14 September 2006, fuhr ich mit meinen Eltern Richtung Stellenbosch zur Butterfly World, wo wir lange die schönen Flattermänner beobachteten. Mein Vater machte Bekanntschaft mit Skorpion und Vogelspinne, die ihm im Bereich der Terrarien auf die Hand gesetzt wurden.   

Dann fuhren wir nach Sommerset West zum Helderberg Nature Reserve in dem wir herumwanderten und die verschiedenen unbekannten Pflanzen bestaunten. Von höheren Lagen hatten wir dann einen tollen Ausblick auf gegenüberliegende Berge, das grüne Tal mit den Obst- und Wein-Feldern, der Stadt und dem Meer.

Am Abend trafen wir uns beim Mexikaner im Stadtteil Observatory in Kapstadt wieder mit Julius, Tommy und Maike, die von ihrer 3-wöchigen Garden Route Rundreise zurück waren.

Freitag, den 15 September 2006, fuhren meine Eltern dann auf die Garden Route mit den Stationen Montagu, Oudtshoorn, Knysna, Addo und Tstistikamma.

In dieser Zeit bis zum 20 September 2006 hatten wir eine weitere Hausarbeit zu schreiben, eine weitere Präsentation vorzubereiten und für eine Klausur zu lernen. Das war mal wieder echt hart und hat uns einiges an Nerven gekostet. Wie die Woche zuvor haben wir jedoch auf den letzten Drücker fertig gehabt, obwohl wir es gern qualitativ besser gemacht hätten, wenn die Zeit das zugelassen hätte. Aber wir konnten auch nicht mehr, nicht mehr denken und nicht mehr Tasten tippen, nicht mehr kreativ sein und nicht mehr analytisch arbeiten.

Am Donnerstag, den 21 September 2006, stellten wir noch schnell das Practical fertig, was eigentlich bis Mittwoch auf war, doch noch bis Freitag angenommen wurde. Dann fuhren wir meinen Eltern entgegen, um sie in den Städten Swellendam und Hermanus zu begleiten, die wir auch noch nicht gesehen hatten.

Swellendam ist ein wunderschönes Städchen mit vielen historischen Gebäuden. Hier spührte man die Siedlergeschickte. Wir besuchten das historische Museum, den Rosengarten, den Bontebockpark und das Matrosberg Nature Reserve.

Die Reise führte am Sonntag, den 24 September 2006, weiter zum Cap Agulhas bei dem sich richtigerweise der Atlantische und Indische Ozean treffen. Dort fanden wir Riesenmuscheln in denen man das Meer rauschen hört. Und wir kletterten die engen steilen Holzstufen des Leuchtturms hinauf um nach Delphinen und Walen Ausschau zu halten, doch das Meer war zu unruhig. Die waren sicher weiter draußen.

Nach einem Mittagssnack in der Sonne am Cap D’Agulhas fuhren wir zur nächsten Station, Hermanus, einem Küstenort berühmt für die Walsaison. Gerade an diesem Wochenende war Walfest und tatsächlich wimmelte es in der Bucht von Walen. Kleine Gruppen von 2-4 Tieren waren in nah und fern auszumachen. Gigantisch war der Anblick von einer Kuh mit ihrem Kalb 50 Meter vor der Steilküste des Örtchens.

An der Küste entlang fuhren wir am Montag, den 25 September 2006, wieder nach Kapstadt. Dort tranken wir noch einen Kaffee auf dem Unigelände, schafften das Leihauto fort, und gingen am Abend zum African Cafe wo es typisch Afrikanische Speisen aus dem ganzen Kontinent zu kosten gibt und einen guten Wein dazu.

Am Dienstag, den 26 September 2006, durchsteiften wir noch das bunte muslimische Viertel, Vati kaufte sich einen Elefanten aus Malachitgestein, meine Mutter erstand noch Postkarten und einen Schlüsselanhänger. Mittagessen gab es bei unserem geliebten Kauai, was sich gut machte, denn es war warm und da schmeckt ein gesundes leichtes Sandwich besonders gut.

Zu guter letzt fuhren wir die Beiden noch zum Bloubergstrand im Norden von Kapstadt, von wo aus man den besten Postkartenblick auf den Tafelberg, Lionshead und Signalhill hat.

Bei mir waren die Tränchen schon den Abend zuvor gerollt, denn gern hätte ich meinen Eltern noch so viel mehr von Afrika gezeigt, sie haben Lesotho nicht gesehen oder Kwa-Zulu Natal. Aber sie haben schon gemischte Eindrücke gesammelt, nicht nur die verklärten, geschönten der Touristenorte und Weißengegenden.

Der Abschied am Flughafen dann war nicht so schlimm für mich, denn ich wusste, in wenigen Wochen bin ich wieder da. Andererseits traten wir aus dem Flughafengebäude mit dem stolzen Gefühl, noch da zu sein. Es war das erste Mal das Gefühl, dass der Traum noch nicht zu Ende war und irgendjemand uns noch ein paar Wochen Abendteuer gönnte. Und dieses Gefühl war umso überraschender nachdem wir die letzten Wochen so viele Probleme mit vielen Leuten um uns und deren Kultur gehabt haben. Vielleicht war es nur die Sonne und die Aussicht auf weitere 4 Tage Urlaub, die uns so heiter stimmten.

Wir freuen uns auf Deutschland, den Winter, die Familie, das heimische Bett, aber so viel Neues erwartet uns und beunruhigt uns auch, das Praktikum ab Januar 2007 und die Diplomarbeit ab Juni 2007.

Und wir werden die gigantische Landschaft, Pflanzen- und Tierwelt hier vermissen. Schade, dass man nicht einfach ein paar Elefanten, Zebras, Warzenschweine und Kudus einpacken kann. Wir werden das komische Zwitschern der Vögel vermissen, das Sternbild des Kreuz des Südens, wie befremdlich die Sonne im Norden vorbeizieht anstatt im Süden, die Schreie der Ibisse am Morgen und Abend, den würzigen Duft von Hartlaub und den Anblick von farbenfrohen Proteas.