2006/05/11 - Cape of Good Hope
Bilder gibt es unter: http://juliusbeutel.tripod.com/cape_of_good_hope/
Gestern war wieder Wandertag. Ihr werdet euch doch nicht etwa anfangen zu langweilen?
Letzte Woche waren wir in der Tygerberg Mall (Einkaufszentrum von Bellville-Tygerberg), um für Julius zum Geburtstag am 19.5.06 Geschenke zu kaufen. Dabei haben wir unsere lang gesuchten Wanderkarten entdeckt. Bisher haben wir sie überall für 50-65Rand gesehen. Dort gab es sie für 15Rand im Outdoor-Shop. Nach eingehendem Studium sind nun weitere 5-10 Wanderstrecken gefunden, die wir in den nächsten Wochen und Monaten bezwingen möchten. Darunter Strecken von nur 6km bis zu 16/18km. Man kann immer schlecht einschätzen, wie lange man braucht. Sicherlich sind Wanderwege um 8km für die meisten ein Klax, aber wenn darin unterschiedliche Steigungen eingebaut sind, kann sich das Ganze schon mal bis auf 4-5h hinziehen.
Gestern jedenfalls war ein wundervoller Wintertag. Wir hatten 31°C, blauen Himmel und Windstille. Da Steffi und Falko noch nicht am Cap waren, entschlossen wir uns früh aufzustehen. Sie sollten das äußerste Kap erklimmen und wir würden dann gemeinsam eine Cap-Wanderung unternehmen.
7Uhr gab es Frühstück. Danach die Fahrstrecke von 2h bis zum Cap. 10Uhr waren wir ungefähr da. Julius und ich stiegen mit hinauf bis zum alten Leuchtturm. Falko und Steffi ließen wir allein bis zur äußersten Spitze vorlaufen. Oben am Kap sonnten sich viele Eidechsen in der prallen Sonne. Wir hatten Spaß, sie zu beobachten, denn ab und an fingen sie sich eine kleine Fliege und schmatzten lustig vor sich hin, um sich danach wieder volle Breitseite in die Sonne zu legen. Eine dieser kleinen Drachen war sehr mutig. Wir konnten ihr den Schwanz streicheln, ohne dass sie davon lief. Das hat sich lustig angefühlt. Sie sehen wirklich aus, wie kleine Baby-Krokodile. Man konnte unter der schwarzen schuppigen Haut sogar das kleine Herzlein schlagen sehen, oder was auch immer sie an der Stelle haben, um ihren Blutkreislauf in Gang zu halten. Es war unglaublich, wie sie sich an den unmöglichsten Stellen festhielten, um ja den besten Sonnenplatz zu ergattern. Uns Menschen wäre bei solch akrobatischen Übungen ganz anders geworden.
Gegen Mittag kauften wir uns noch schnell lecker Sandwich zur Stärkung. Doch das war ein kleines Erlebnis für sich. Um den Kiosk herum flatterten einige dieser schwarzen Vögel mit orange-roten Flügeln. Sie sind etwas größer als Amseln, frech wie Elstern und intelligent wie Raben. Als Julius genüsslich in sein Brot biss, wurde er plötzlich angeflogen. Der eine Vogel hatte sich blitzschnell auf seine Schulter gesetzt und von seinem Brot ein Stück abgerissen. Kurz darauf das gleiche Phänomen bei Falko. Wegen der Vögel hatten wir uns aus dem Staub gemacht. Wir wollten die Brote woanders verzehren. Einer dieser frechen Dinger kam in Tiefflug hinter Falko her, der sein Sandwich in der Hand behalten hatte. Im Flug mopste dieser Vogel etwas vom Brot und suchte das Weite. Das Stück war so groß, dass es aussah als würde er beim Verschlucken beinahe ersticken. Sowas!
Unsere Wanderung begann also am Cape-Point, der südlichsten Spitze der Cape-Peninsula (Halbinsel). Wir liefen ein Stück Richtung Westen auf das Cape of Good Hope zu. Dabei immer an der Küste entlang. Dort lag ein wunderschöner großer Strand, der Diaz Beach. Hierher verschlägt es wenige Touristen und deshalb waren wir vollkommen allein und konnten den Ausblick und das Meeresrauschen genießen. Naja, vielleicht waren wir nicht ganz allein, denn im Sand fanden wir Spuren von Affenfüßen. Unheimlich. Und gestunken nach den Viechern hat es auch stellenweise unheimlich. Ich entschuldige mich bei allen Affen-Liebhabern, aber nach meiner ersten Begegnung mit diesen Tieren, kann ich denen nichts mehr abgewinnen. Mochte sie ja eh noch nie wirklich. Sie mögen intelligent sein und lustig, aber für mich sind sie nur aggressiv und hässlich. Zum Glück sind Geschmäcker verschieden.
Jedenfalls habe ich an dem Strand einige kleine Dinge gefunden, abgestorbene Korallen, die in ihrer Struktur sehr bizarr waren. Eine kleine röhrenartige Koralle hat mich überrascht. Die kannte ich bisher nur in harter steinerner Form. Als ich sie aufhob, war sie jedoch leicht und fluffig. Meine Erkenntnis hierbei: Bisher hatte ich wohl nur die verkalkten oder versteinerten Kollegen dieser Art in den Händen gehalten. Aber wir ließen diese Dinge am Strand. Ich kann sie erstens nicht konservieren und zweitens wollen wir ja nicht auseinandergenommen werden, wenn wir wieder nach Deutschland einreisen, wegen so einer verbotenerweise mitgeführten Koralle.
Das Cape of Good Hope bat zwar eine schöne Aussicht auf das Meer und die Cap-Spitze, aber sonst war es nicht sonderlich sehenswert. Wir schossen nur ein Beweisfoto, denn dagewesen sein, muss man ja schon mal.
Ich fand dort endlich mal einen Stock, denn eigentlich wollte ich mich in dem Gebiet nicht mehr ohne Abwehr-Gegenstand bewegen, der Affen wegen. Diesen Stock schleifte ich nun den ganzen Weg über mit mir herum, bis zur Rückkehr zum Parkplatz, um ihn erst wieder herzugeben, sobald ich sicher wieder im Auto saß. Lustig, oder? Wer die riesigen Hauer dieser Tiere gesehen hat und ihre Schnelligkeit und Kraft kennt, hätte auch Respekt vor den Pavianen.
Unser Weg führte uns noch weiter die Küste entlang, wobei wir immer wieder Hufspuren von Zebras kreuzten, und deren Exkremente und derer von irgendwelchen Böcken, aber gesehen haben wir leider die ganze Zeit über nichts, außer so einem kleinen Klippschliefer, der uns neugierig beäugte und einer dicken gestreiften Mäuseart, die im Buschgehölz herumwuselte.
Eigentlich hatten wir gehofft, dass wenigstes am Cap ein Windchen weht. Wie ihr euch vorstellen könnt ist wandern bei 31°C nicht gerade angenehm. Sobald wir aber den Wanderweg auf der Düne entlang verließen, um den Rückweg über den Vasco Da Gama Peak (266m Höhe) zu nehmen, stand die Luft. Zwei Weltmeere lagen auf beiden Seiten, dazwischen nur ein schmaler Streifen Land und kein Windhauch zog hinüber. Uns hat das ganz schön geschafft. Wir ließen es daher etwas ruhiger angehen und erklommen langsam und stetig diesen letzten Berg, bevor unser Autochen wieder in Sicht kam und das Ziel sich näherte.
Diese Wanderung war zum Beispiel nur ca. 8km lang gewesen, aber der Umstände wegen, waren wir am Ende alle ganz schön müde und geschafft. Schön war es dennoch.
Gerade als wir den Park verlassen wollten, entlohnte uns noch ein glücklicher Zufall für unsere Mühen. Da stand mitten im Gelände ein Zebra - und dann noch eins und noch eins. Sehr hübsche Tiere waren das. Sie ließen sich nicht beeindrucken und rupften weiter Gras und Buschwerk zum Verzehr.
Wir stillten unseren Appetit mit einem superleckeren Burger in Muizenberg. Diese selbstgemachten Dinger sind verdammt gut und eine wirkliche Alternative zu McDonalds oder Wimpies.