2006/09/30 - Ceres, Citrusdal, Clanwilliam
Bilder zu diesem Blog findet ihr hier: http://edwinbeutel.tripod.com/west_cost_national_park_citrusdal_clanwilliam_ceres/
Die letzten 4 Ferientage nutzten wir, um zum ersten Mal in Richtung Norden aufzubrechen und uns diese Gegend anzuschauen.
Eigentlich wollten wir 2 Tage in den Cederbergen nördlich von Kapstadt wandern, doch wir hatten plötzlich so ein heißes Wetter, dass Wandern nicht mehr möglich war.
Am Mittwoch, den 27 September 2006, brachen wir auf zum West Coast Nature Reserve mit Zwischenstop im Küstenort Yzerfontain. Selbst den Tieren im Naturpark scheint es zu warm gewesen zu sein. Bei einer kurzen 7km Wanderung erspähten wir lediglich ein paar Straußen und Vögel. Dafür aber sammelten sich an unseren Beinen und in unseren Hosenfalten unzählige Zecken, die wir alle 15 Minuten des Weges absammelten. Dazu kam, dass ich gegen irgendeine Pflanze hier allergisch war. Jedenfalls kam ich aus dem Niesen nicht heraus, die Augen tränten, die Nase lief und die Taschentücherration von 3 Päckchen ging innerhalb von 1,5 h drauf.
Das Land war flach und Steppenartig. Jedenfalls sah es schon schön aus, wenn ein seichter Windhauch über die Graßebene strich. Aber sonst wehte kaum ein Lüftchen und die Sonne sengte von oben herab und brannte auf unsere Köpfe. Ein nasses Tuch auf dem Kopf kühlte nicht lang, denn es war wie von einem Föhn nach wenigen Minuten ausgetrocknet.
Dafür fühlten sich anscheinend die Schlangen und Schildkröten wohl. Jedenfalls haben wir unsere erste echte Schlange am Straßenrand verschwinden sehen und 6-7 Schildkröten. Die hatten auch mit Zecken zu kämpfen. Am Hals, den Beinen und sogar unter dem Panzer saßen die Plagegeister fest und saugten sich dick und rund.
Von einem Vogelaussichtspunkt konnten wir kleine schwarze Möwchen, große weiße Raubmöwen, Stelzenartige Vögel die nach Kleintierchen im Watt jagten und weiße Flamingos beobachten. Die Luft über dem Sand flimmerte, doch den Vögeln in der Bucht schien das nichts auszumachen. Sie konnten ja auch ab und an zur Abkühlung baden.
Unsere Fahrt ging dann weiter nach Paternoster einem Küstenort nördlich des Parks. Beschrieben war es als gemütliches Fischerdorf, aber darunter stellt man sich was anderes vor. Hier hatten sich weiße Einheimische schicke weiße Häuschen gebaut. Fischer scheinen nur die Schwarzen zu sein, die mit ihrem Fang vom Morgen am Straßenrand hockten. Die Fische hingen in Bündeln an einem Baum und wurden mit Zweigen beschlagen, um die Fliegen zu vertreiben. Diese Siedlung fühlte sich versnobt für uns an. Die Weißen lebten in ihren Palästchen mit direktem Blick über das Meer und die Schwarzen in heruntergekommenen zu kleinen Behausungen. Irgendwie spürte man hier, dass bewusst Unterschiede gemacht wurden. Jedenfalls hatten wir anderes erwartet, alte Gebäude Gemütlichkeit, schrumpelige Gesichter von alten Fischern, die mit der Pfeife im Mund an irgendeinem Pub sitzen und Skat klopften und solche Dinge. Aber dem war nicht so.
Wir fuhren nach dem frühen Abendbrot dann weiter nach Citrusdal. Dort kamen wir bereits im Dunkeln an und wurden von einem Duft erstickt, der das gesamte Tal füllte. Das war der Duft von Orangenblüten. Durch das Tal fließt der Olifantsriver und ist Lebensader für das größte Zitronen- und Orangenanbaugebiet Südafrikas.
Wir hatten uns leider verbucht, bei der Suche nach einer Übernachtung. Das ist hier nicht schwer, denn viele Ortsnamen und Namen von Bergen wiederholen sich Landesweit. So gibt es einen Ort Uitkik als Weingut, als Dorfname im Norden Nähe der N7 von Kapstadt nach Namibia und zwischen N2 und Hermanus östlich von Kapstadt nach Port Elisabeth. Und das im Umkreis von 200km.
Selbst die brühmten Drakensberge, die eigentlich den östlichen Teil von Lesotho nach SA säumen gibt es mindestens 3 Mal in diesem Land. Ausserdem liegen viele Orte dazu noch am gleichen Fluss, da sie das Land von West nach Ost durchziehen, wie z.B. der Breederiver, der Olifantsriver und der Oranje River.
Wir hatten also eine Herberge in einem Ort mit A gebucht in der Nähe der Schneukop (Schneekoppe). Beide sollten in den Cederbergen liegen. Die Frau, bei der wir reservierten bat uns sogar eine Wanderkarte für den benannten Berg an. Erst am Anreisetag stellten wir fest, dass die Anfahrtsbeschreibung nicht auf unsere Karte passte. Die gebuchte Herberge befand sich nämlich in der Nähe von Springbock noch mehrere hundert Kilometer nördlich in Richtung Namibia. Da wollten wir nie hin!
Die Touristeninformation hatte schon zu. Aber es hingen Kästen mit Prospekten aus auf dem sich Unterkünfte und eine Karte befanden. Julius rief das Backpackers an und wir hatten eine Übernachtung. Und eine schöne dazu. Das Backpackers lag nämlich inmitten einer Orangenplantage. Auch eine Katze schlich herum. Hier fühlten wir uns wohl und schliefen alsbald frisch geduscht und müde ein.
Am nächsten Tag, Donnerstag, den 28 September 2006, hatten wir wandern wollen. Aber wir wachten mit Nackenschmerzen auf. Da wir ohne Klimaanlage fahren hatten wir die Fenster auf und uns dabei offensichtlich Zug verschafft. Außerdem war es schon früh sehr heiß. Wir versuchten in die Cederberge zu fahren um wenigstens mal zu schauen, ob eine Wanderung machbar wäre, aber die Schotterpiste war so schlecht, dass wir auch wegen Groenie – unserem alten VW Passat – wieder Kehrt machten und Plan B verwirklichten.
Wir fuhren nach Clanwilliam 54km nördlich von Citrusdal. Dort schauten wir uns das Dorfmuseum an und danach die Rooibos-Fabrik bei der ein Video gezeigt wurde, Tee verkostet werden konnte und ebenso verkauft wurde. Es ist unglaublich, dass in einer so verhältnismäßig rauen, steinigen und trockenen Gegend die Verbrauchsmenge wächst, um die ganze Welt, von SA über China, Japan, Malaysia, Singapur, Indien, Amerika bis hin zu Europa zu versorgen. Die Rooibos Ltd. Hält 70 Prozent des Marktanteils weltweit!(www.rooibosltd.co.za)
Nach einer Tasse Rooibos Tee und einer leichten Pizza verließen wir das Städtchen wieder in Richtung Citrusdal. Das schauten wir uns nur kurz an, denn es bot wiederum nicht viel mehr als ein Heimatmuseum, eine Kunstgalerie und ein Café. Wir tranken einen Kaffee und speisten Kuchen. Danach ging es über eine Passtrasse durch die Cederberge hindurch in Richtung Ceres. Nach langer etwas beschwerlicher Fahrt über die Berge, eröffnete sich unter uns das Tal in dem Ceres liegt. Die Felder waren Grün, der Wein trieb aus, die Orangen leuchteten in der Sonne und die Apfelbäume blühten. Es war ein toller Ausblick, als wir oben vom Pass hinab ins Tal fuhren.
Nach einem kurzen Stop an der Information von Ceres fuhren wir jedoch gleich zu unserer Unterkunft, denn es war zu heiß in der Stadt zu bleiben, und wir hatten schon so viel gesehen.
Gemietet hatten wir ein kleines Cottage (wie ein Bungalow) auf einer Kirschfarm. Und wir waren überwältigt. Die Kirschen standen in voller Blüte. Die Felder waren umrahmt vor großen schattenspendenden Eichen. Die Luft war angenehm, Vögel zwitscherten und in der Ferne ringsum lagen die Hex River Mountains und die Swartrug Mountains.
Das Cottage lag an einem kleinen Teich mit Ruderbot. An dessen Rand wuchsen große Weiden in denen die Webervögel ihre Nester gebaut hatten. Ägyptische Gänse trieben sich herum und die Ibisse flogen ab und an über das Gelände und gaben das für sie so typische Geschrei von sich. Vor dem kleinen Haus standen ein Grill und eine gemütliche Holzbank. Innen hatten wir einen Kamin, vor dem ein kleiner Tisch und ein Sofa standen, wie auch ein Rattansessel. Die kleine Küche hatte alle Utensilien, die man brauchte und ein großes gemütliches Bett stand im hinteren Raum von dem ab Toilette und Dusche gingen. Der Korb neben dem Kamin war mit Feuerholz bestückt und zwei Kerzen machten die Abende richtig gemütlich.
Das Beste von Allem war unser treuer Begleiter Sam. Einer der Hunde, ein Border Collie gesellte sich zu uns und verbrachte die gesamte Zeit mit uns. Wir hatten einen Hund auf Zeit. Und der war so klug und lieb, aufmerksam und hübsch. Tagsüber lag er unter der Bank vor dem Haus, in der Nacht schlief er auf dem Vorleger vor der Tür. Er konnte kommen und gehen wann er wollte, denn auch Essen bekam er von uns nicht, doch er blieb. Wir stellten ihm eine Schüssel Wasser hin, die er sofort annahm. Und er zeigte uns das Gelände der Plantage. Das war witzig. Wenn er bemerkte, dass wir Zeit hatten kam er freudig wedelnd unter seiner Bank hervor machte mehrere Sätze in die Richtung, die er laufen wollte und schaute uns auffordernd an. Also gingen wir mit ihm. Er führte uns um den Teich, zu einem anderen Wasserreservoir, hinauf auf einen Hügel und durch die Apfel-, Birnen- und Kirschbaumreihen. Gelegentlich lieferten wir uns ein Rennen, bei dem der kleine mal mir den Sieg ließ zuerst am Haus anzukommen und mal auch selbst gewann. Und jederzeit war er für eine Streicheleinheit zu haben. Er bettelte nicht nach Futter und er ging nicht ins Haus. Er war einfach da, unser Begleiter für 2 Tage.
Am Freitag, den 29 September 2006, fuhren wir nach Ceres hinein und besuchten das Heimatmuseum. Julius interessierte sich auch für die Spielzeugautoausstellung, welche als die größte Südafrikas ausgezeichnet war. Diese befand sich jedoch im Privatbesitz eines Bestattungsunternehmers, in dessen Laden. Diesen betrat ich nicht, denn mir stand der Sinn nicht danach, zwischen ausgestellten Särgen und Urnen herumzulaufen.
Wir schlenderten also durch die Stadt, aßen ein leichtes Mittag, denn es war wieder heiß. Zum Glück wehte ein Lüftchen und machte die Temperaturen erträglich. Nach dem Einkauf von Grillfleisch und Wein zog es uns wieder zurück auf die Farm, wo wir den Nachmittag relaxten, Buch lasen, auf dem Teich rumpaddelten und mit Sammy spazieren gingen. Bei Dämmerung legten wir das Feuer in Kamin und Grill auf. Bis in die Dunkelheit lauschten wir den Täubchen, den Webervögeln, Fröschen und Grillen zu. Selbst Fledermäuse konnten wir beobachten. Danach saßen wir vor dem warmen knackenden Kaminfeuer bei frischem Rooibos Tee und lasen unsere Ferienlektüre aus.
Am Samstag, den 30 September 2006, ging die Fahrt dann leider wieder nach Kapstadt. In Paarl verkosteten wir auf dem berühmten Simonsvlei Weingut noch ein paar verschiedene Tropfen und trudelten gegen den späten Nachmittag wieder auf dem Campus ein. Noch intensiver als nach unserer Ankunft aus dem Urlaub im Juni/Juli fühlte sich dieses Zurückkommen wie nach Hause kommen an. Und jetzt wo es so ist, müssen wir bald wieder fort, uns wieder auf Neues einstellen, wieder umziehen, wieder umgewöhnen. Komisches Gefühl.