Katrin&Julius

Our Year in Capetown

2006/07/06 - Harrysmith

Fotos zu diesem Blog findet ihr unter: http://fahrinurlaub.tripod.com/harrismith/

(Bitte haltet euch mit Kritik nicht zurück, wenn ihr findet wir werden an der ein oder anderen Stelle zu wertend. Wir sind dankbar für jeden Hinweis, denn besser ihr als unsere Freunde weist uns darauf hin als dass es später mal irgendwelchen Ärger mit andern Institutionen gibt.) 

… Noch Tag 14: (05.07.2006)

Auf dem Weg von Durban nach Harrysmith an der N3 machten wir Stop in Howick. Dort kann man einen Wasserfall bestaunen, der 107 Meter die Felswand hinab fällt. Direkt über dem Abgrund oben am Hang wuschen die Frauen Tücher und Wäschestücke im Fluss. Das sah nicht ungefährlich aus, zumal sie die Stücke zum Trocknen auf die Felsen in die Sonne legten. Aber nicht irgendwohin sondern zur Sonne gerichtet, also genau über die Kante.

Zum Mittag lernten wir, was ein Milo ist und was der Unterschied zu einer heißen Schokolade. Wir bestellten beides und erkannten - der Milo ist ein Malzgetränk. Die Frau der Pancake Küche hatte ihn so beschrieben: ein Getränk welches man früher schwächlichen Kindern zu trinken gegeben hat, damit sie zunahmen und kräftiger wurden. Der Geschmack erinnerte uns auch an Etwas und zwar den ekeligen Kakao, den es ab und an im Kindergarten früher zu DDR-Zeiten gab. Gut zu wissen – muss man nicht trinken.

Die Einfahrt in die Berge war beeindruckend. Das Land war weit. Alles war trocken. Gelbes verdorrtes Grasland und vereinzelt Bäume überzogen die Hügel bis zum Horizont. Zerklüftete Furchen durchzogen die Erde an manchen Stellen als steiniges, felsiges Flussbett. Meistens führten sie kein oder kaum Wasser. Dort wo sie es taten kletterten Kühe herum und tranken aus dem Rinnsal. Berge ragten wie Kegel aus dem Land. Die Szenerie war wie in König der Löwen – so wie man sich Afrika vorstellt, weit und unbändig.

In Harrysmith lernten wir den besten Tankwart der Welt kennen. Er war lustig, freundlich und hilfsbereit. Er setze Himmel und Hölle in Bewegung um ausfindig zu machen, wo in der Stadt, wir das Backpackers fänden.

Das Hostel lag direkt unter dem „Hausberg“ von Harrysmith, einer hohen platten Felsformation. Die alte Eignerin des Hostels empfahl uns das Restaurant Pringles, was ein guter Tipp war, denn dieses Restaurant ist ein Erlebnis für sich. Die Einrichtung ist antik, ein Kaminfeuer brennt in einer Ecke des Raumes. Für einen Platz im Warmen waren wir dankbar, denn hier oben in Harrysmith hatte es nur 4°C und war für hiesige Verhältnisse bitterkalt. Alles war mit Liebe eingedeckt, die Bedienung war aufmerksam und freundlich und das Essen schmeckte wie bei Muttern, extrem gut abgeschmeckt. Da steckte Hingabe drin.

Nun eine Geschichte die man(n) nicht lesen muss da sie was von Big Brother oder GZSZ hat.

Leider oder spannenderweise wurden wir im Restaurant von Tracy belagert. Wer ist Tracy? Also eigentlich wussten wir das auch nicht so genau. Sie war jedenfalls sehr exzentrisch, hübsch aber mollig. Sie sprach uns sofort vom Nachbartisch an, noch bevor wir unser warmes Plätzchen am Kamin eingenommen hatten und redete und redete. Dabei schaffte sie es kaum ihr eigenes Essen zu essen und wir kamen ebenfalls nicht richtig zum Essen. Aber sie störte das nicht. Sie fragte nach dem Woher und Wohin, erzählte von ihrem Mann, schwärmte von Johannesburg und Durban, begeisterte sich für Europa und die deutsche Pünktlichkeit und wir durften erfahren, dass sie schwanger ist.

Nein, die Frau war nicht betrunken. Die Frau war eben so … verrückt. Kurzzeitig verschwand sie auf ihr Zimmer, welches sie im Gasthaus hatte, um mit Visitenkärtchen, Zettelchen und Schreiber zurückzukommen. Sie schrieb uns Adressen und Wegbeschreibungen auf. Sie leerte ihre Handtasche auf unserem Tisch um danach einzelne Utensilien, wie Flaschenöffner, Kugelschreiber, Lippenstift und sonstigen Krimskrams wieder darin verschwinden zu lassen.

Zu guter Letzt erklärte sie uns, dass sie uns so sehr möge, dass sie mir ein Geschenk machen müsste. Sie überreichte mir eine handgemachte Postkarte und ein kleines Säckchen mit spirituellen Steinen darin. Ich war so baff, dass ich nicht wusste, wie ich reagieren sollte. Eigentlich war ihre Aufdringlichkeit unangenehm und wir wünschten uns nur, dass ihr Mann tatsächlich pünktlich kommt, um sie abzuholen, wie sie es erzählt hatte. Und nun schlug mich mein schlechtes Gewissen. Was hatten wir getan, dass sie uns belagerte, beriet und beschenkte. Ich lehnte erst ab, doch das wurde nicht zugelassen. Dann bedankte mich peinlich berührt, und entschuldigte mich, dass ich nichts für sie habe (polnische Mentalität aus dem Ferienlager?!). Ich fragte verwirrt, warum sie das täte, doch die Antwort war einfach - sie mag uns und wolle uns eine Freude machen. Unsere Vermutung war, sie hatte irgendwo irgendwas gekauft, um des Kaufens willen (Kaufsucht) und suchte Bestätigung und Anerkennung indem sie schenkte (Psychischer Knacks). Vielleicht war sie aber einfach nur Schwanger.

Kurz darauf kamen ihr Mann und ihr Bruder und holten sie tatsächlich ab – wir hatten schon daran gezweifelt. Doch auch das war wieder eine komische Situation. Ihr Mann fragte uns, ob alles in Ordnung wäre. Wir nickten nur perplex. Sie standen zu beiden Seiten der Frau und baten sie mitzukommen. Sie sah nervös aus. Sie stellte uns die Beiden vor und wollte noch etwas erzählen, wurde jedoch aufgefordert ihre Sachen zu nehmen. Irgendwie verstört wirkte sie nun, als sie begleitet von den beiden Männern das Restaurant verließ.

Julius und ich saßen nur da, sahen uns an und schüttelten mit dem Kopf. Wir fragen uns bis heute, was aus Tracy der verrückten Italo-Engländer-Südafrikanerin geworden ist und ob sie wirklich verrückt oder einfach nur schwanger war.    

(Vielleicht mögt ihr nicht, dass wir über Jemanden schreiben aber wir denken, das ist eine lustige Geschichte und anhand des Vornamens kann man nicht ausmachen, wer gemeint ist. Bitte sagt uns sofort, ob wir diese Story lieber aus dem Blog nehmen sollten, wenn ihr denkt wir würden Jemandem Unrecht tun und ihn verunglimpfen.)

Tag 15: (06.07.2006)

In der Stadt gab es weiter nichts zu sehen. Ein historisches Gebäude aus Kolonialzeiten schmückte die innere Siedlung. Aber ein vielsagendes Erlebnis müssen wir noch beschreiben. Wir besuchten einen Fotoladen in dem wir unsere Digitalfotos auf CD brennen lassen wollten. Ganz freundlich begrüßten uns zwei nette weiße Damen, die eine offensichtlich Chefin, die andere angestellt. Die Chefin, gerade in Smalltalk verwickelt wies der Angestellten zu uns zu bedienen, was sie auch tat. Als wir ihr unser Anliegen vorgetragen hatten, viel ihr Gesicht etwas zusammen und sie meinte sie könne das nicht, wisse nicht ob sie das Programm zum Auslesen von SD Karten haben und wie das mit der CD funktioniert, denn wir wollten eine bereits beschriebene fortschreiben. Dazu rief sie dann also einen schwarzen jungen Mann, der sich ebenfalls im Laden aufhielt mit … kannst du mal … . In 2 Minuten hatte er unsere Fotos auf CD gebracht – kürzer als die freundliche Dame gebraucht hatte, uns freundlich lächelnd klar zu machen, dass sie dieses Werk nicht vollbringen könne. Sie hielt es nicht mal für nötig, ihm über die Schulter zu schauen oder sich zeigen zu lassen, wie das funktionierte.

Wir fragten uns nur, warum sie dann in einem Fotoshop arbeitete. Wir wussten jedenfalls, dass der Einzige mit technisch/technologischer Ahnung dieser junge Mann war. Ohne ihn könnten sie mit den heutigen Anforderungen nicht mithalten und dennoch waren sie die Inhaber des Ladens. Hier regierte Status über Wissen.

Solche Gegebenheiten blitzen hier und da mal auf und man spürt, dass noch immer Unterschiede gemacht werden, besonders in Bloemfontain, Harrysmith, Port Elisabeth und Oudtshoorn (hier genannt lediglich Städte, die wir bisher kennenlernten).

 

Weiter geht die Reise im Blog: Lesotho …