Katrin&Julius

Our Year in Capetown

2006/07/09 - Bloemfontain

Bilder zu diesem Blog findet ihr unter: http://fahrinurlaub.tripod.com/bloemfontain/

Tag 17: (08.07.2006)

… Bloemfontain ist die Stadt der Juristen. Hier sitzt die Judikative des Landes. Relativ viele prunkvolle Sandsteingebäude zeugen von der Hochzeit der Siedlerjahre. Alles ist auf Chick gemacht, eine eigene Waterfront angelegt, riesige Malls aus der Erde gestampft.

Als wir ankamen wollten wir im gebuchten Backpackers einchecken. Doch der Besitzer versuchte uns zu verklickern, dass er für heute keine Ankunft im Kalender stehen hätte. Er holte seine schwarze Angestellte und wir hatten das Gefühl er würde sie alibihalber mal ausschimpfen um dann mit seinem Plan fortzufahren. Er sagte er hätte eine Alternativunterkunft, die wir ersatzweise in Anspruch nehmen könnten aber erst sollten wir die 360Rand an ihn zahlen, die zuvor ausgemacht waren. Was blieb uns anderes übrig. Wir kannten uns nicht aus und keine günstigere Alternative obwohl wir spürten, dass wir über den Tisch gezogen wurden.

Er brachte uns dann in ein Mädcheninternat. Wie wir erfuhren war am Wochenende die nationale Dartmeisterschaft in Bloemfontain und alle „Sportler“ würden in solchen Unterkünften untergebracht. Das hieß aber, dass diese von der Stadt organisiert waren und nichts als maximal eine Aufwandsentschädigung für Wasser und Strom gekostet hätten – keine 360 Rand. Im Backpackers hätten wir zudem Zugang zu Küche, Wasserkocher und Heizung gehabt. Im Internat hatten wir Bett und Schreibtisch, keine Information, keine Möglichkeit Tee zu kochen. Den ersten Abend gab es nicht mal warmes Wasser zum Duschen, denn diese waren über die Winterferien abgestellt worden und erst zum Dart Event wieder zugeschalten. Wir duschten unter bitterkaltem Schauer und schliefen im kalten Zimmer unter 3-4 Decken. Komischerweise fühlten wir uns am nächsten Morgen aber nicht schlecht. Nur dass es keine heiße Milch gab oder einen Tee war frustrierend, denn nach einer kalten Dusche in einem kalten Zimmer bei morgendlich niedrigem Kreislauf wäre ein heißes Getränk nötig gewesen.

Tag 18: (09.07.2006)

An diesem Morgen suchten wir das Naturreservat „Naval Hill und Franklin Game Reserve“ auf, welches im Reiseführer beschrieben war. Hier sollte es u.a. auch Giraffen geben. Wir fuhren also hinauf auf den Hügel, durch Tore die besagten, dass hier der Naturpark beginnt, aber nirgends war ein Kassenhäuschen. Wir fuhren also so ein bisschen herum, sahen aber auch keine Tiere. Das Reservat schien nicht mehr zu existieren. Das Einzige, was da oben stand war ein Sendemast und sonst nix. 

Wir entschossen uns also, den Zoo zu besuchen – ich weiß das ist eine Sünde in Südafrika, aber was sollten wir tun. Wir schauten uns also Löwen, Steppenhunde, Jaguar, Leopard, Gepard, Nilpferd, Elefant, Nashorn, Gazellen und Springböcke von Nahem an. Einen Luchs der sich am Zaun schmiegte kraulten wir den Rücken so weit wir – bzw. ich – heranreichten. Das war toll. Der Luchs mit seinen hübschen Pinselohren war verschmust wie eine Hauskatze. Jaja, wir wissen doch das ändert nichts daran, dass er im Zoo nicht artgerecht behandelt wird. Aber er schien das anders nicht zu kennen, sah gesund und gepflegt aus.

Die beiden alten Elefanten freuten sich über Äpfel und Orangen. Und auf einem der Fotos könnt ihr sehen, wie hier die gemeine Krähe aussieht. Das sind ganz kluge und freche Tiere.

Nach dem Besuch im Tierpark versuchten wir in der Stadt den als sehenswert bezeichneten Ratssaal zu besuchen, aber alle dieser schönen Sandsteingebäude waren nicht öffentlich zugänglich. Auf Museumsbesuch hatten wir keine Lust und entschlossen uns, den Orchideengarten zu besuchen, doch auch der hatte aus unergründlicher Ursache geschlossen. Der Rosengarten im Innern der Stadt stand der Öffentlichkeit frei zur Verfügung. Aber im Winter blühte da nicht viel und die Öffentlichkeit bestand aus Bettlern und Obdachlosen.  

Am Nachmittag schlenderten wir also nur noch entlang der Waterfront, kauften uns eine Kinokarte für den Abend, aßen einen Salat bei Oceans Basket, denn der Sushi-Koch kam nur am Abend (wir hatten einfach kein Glück in dieser Stadt). Wir hatten das Gefühl sie wollten die frühen Gäste schnell raus haben, um die Tische für die Fans des Rugby Spiels im Stadion nebenan bei Spielende frei zu haben.

Nach dem Kinobesuch schauten wir im Gang des Internats einsam und in dicke Decken gehüllt das Spiel von Frankreich gegen Italien an, dieses schicksalhafte Spiel bei dem die unfair Spielenden nicht nur Fussballvorbild der Welt geworden sind, sondern es auch noch geschafft haben eine Ikone wie Zidane so zu reizen, dass er sich am Ende der eigentlich glorreichen Laufbahn dazu hinreißen ließ, etwas für ihn völlig Untypisches zu tun.

 

Weiter geht es im Blog: Kimberley (demnächst)  …