Katrin&Julius

Our Year in Capetown

2006/07/01 - Port St. Johns

Bilder zu diesem Bericht findet ihr unter: http://fahrinurlaub.tripod.com/port_st_johns

Der Addo Elephant Park war eine verdammt schöne Zeit und wenn er näher an Kapstadt läge würden wir sicherlich jedes zweite Wochenende hinein fahren. Zum ersten Mal hatten wir einige der wilden Tiere Süd-Afrikas in freier Natur gesehen.

Tag 10: (01.07. 2006)

Am Morgen unserer Abreise (Tag 10: 01.07.) hatten wir am Wasserloch vor dem Zeltplatz Warzenschweine und Kudus gesehen. In der Nacht zuvor waren wir von den Rufen der Löwenbabies wach geworden, die ganz in der Nähe des Camps von den Weibchen zurückgelassen worden waren, um auf die Jagd zu gehen. Und das letzte was wir sahen als wir den Park verließen war auf einem Hügel ein Elefant, der Speckbaum frühstückte. Das gab schon einen ziemlichen Klos im Hals.

Bis East-London war es eine verdammt lange Fahrt. Unser Groenie stotterte so komisch. Alle 200km fütterten wir ihn mit Premium-Öl. Aber wir konnten nicht ermitteln, warum er in den unteren Drehzahlen-Bereichen so ruckte und wackelte. Jedenfalls musste er zum Docktor, denn so konnten wir auf keinen Fall bis nach Lesotho in die Berge fahren. Irgendwie war dem guten Alten das Schleichen durch den Addo nicht so recht bekommen.

Wir fuhren durch eine Stadt namens „Buffalo“. Das war ein schrecklicher Anblick. Dort gab es irgendwie gar nichts. Die Stadt sah aus wie ein vergessenes Dorf im wilden Westen. Es hatte nichts historisches, war eingefasst in Industrie und darum herum war weit und breit nichts. Und sofort als wir zur Autopflege am Straßenrand hielten wurden wir von einem schwarzen Jungen angebettelt, der ziemlich runtergekommen aussah. Irgendwie sah hier alles trist und verkommen aus.

Ein komisches Bild bot uns einige Kilometer weiter an der Autobahn. Oberhalb der 6 Spuren am Straßenrand standen die schwarze Männer, die nichts weiter trugen als einen ledernen Lendenschurz. Um die Fußfesseln hatten sie bunte Bänder, wie auch um die Stirn. Ihre Haut war mit weißer Erde eingerieben. In einer Hand hielten sie einen Stab. Und so schauten sie über die Autobahn und versetzten uns ins grübeln. Waren das Kostüme oder liefen diese jungen Männer tatsächlich alltäglich so herum? Es prallten Welten aufeinander. Neben der Autobahn standen Ureinwohner und auf der Straße fuhren moderne, blitzende, dicke Autos.

Aber wir sahen ebenfalls Frauen mit kräftig bunten Kleidern, welche komische Kopfbedeckungen trugen und Körbe auf dem Kopf. Daher beschlossen wir für uns, dass das nicht nur ein Schauspiel, sondern pure Realität war.

Die Strecke von Butterworth nach (U)Mthatha zog sich wie Gummi. Es war alles sehr trocken und trist. Es gab keine Bäume, kaum Sträucher und sonst nur gelbes, verdorrtes Gras so weit man schauen konnte. Magere Kühe, zottelige Ziegen, Schafe und Esel grasten zu den Rändern der „Autobahn“ (2-Spuhrig mit unglaublichen Schlaglöchern).

Auf den Dörfern leben die Menschen mehr oder weniger bewohnbaren Rondavels und Hütten. Männer lümmelten am Straßenrand und sahen furchtbar fertig aus. Frauen trugen Wasser, Wäsche und Holzbündel auf den Köpfen. Die Kinder spielten mit einfachsten kleinen Dingen im Staub, passten auf kleinere Geschwister auf , trugen Wasser oder hüteten die Tiere. Kleine Jungen trieben sich schon am Straßenrand herum wie die Alten und rauchten „Was-Auch-Immer“.

Auf diesem dürren Land konnte man sich nicht vorstellen, dass etwas wachsen könnte. Außer extensive Viehwirtschaft war nichts denkbar. Aber wie wir später erfuhren regnete es hier im Gegensatz zu Western Cape hauptsächlich im Sommer. Wir hatten also die schlimmste Trockenzeit für unsere Besichtigung gewählt. Damit wurde auch klar, warum die Maispflanzen vor den Hütten verdorrt waren und Kürbisse zum Trocknen auf den Dächern gelagert wurden. Hier wuchs schon was, aber eben zu einer andern Zeit.

Die wenigen kleinen Städtchen waren chaotisch, laut, unterentwickelt, staubig, müllig, unorganisiert, … eben schwarz. Das soll kein Vorurteil sein, aber dieses wuselige ungeordnete, ineffiziente Gewusel prägte das Bild dieser Siedlungen. Irgendwie schienen die Menschen zu bequem oder zu müde zu sein um das Leben in die Hand zu nehmen. War das die natürliche Mentalität der ursprünglichen Einwohner dieses Landes?

Uns drückte der Anblick dieser Gegend jedenfalls die Stimmung. Wir konnten uns kaum vorstellen, dass ein Nelson Mandela aus dieser Region erwachsen war.

Ein Landstrich kann unterentwickelt sein ohne Schuld daran zu haben. Er kann aber zurückgeblieben sein, weil dessen Menschen auf bessere Zeiten hoffen, ohne selbst etwas dafür zu tun. Dies war offensichtlich hier der Fall. Den direkten Vergleich hatten wir später in Lesotho. Dort haben die Menschen auch nicht viel mehr als eine Hütte, etwas Vieh und ein kleines Feld. Aber sie arbeiten. Sie haben einen geregelten Tagesablauf. Sie haben ihre Aufgaben in der Gemeinschaft und Gesellschaft. Sie pflegen ihr Hab und Gut. Sie ergeben sich nicht so furchtbar den Drogen und dem Alkohol. Sicherlich gibt es auch hier wieder Solche und Solche. Aber man bekommt doch so einen Grundcharakter der Menschen, ihrer Mentalität und des Landes mit.      

Vielleicht müssen wir noch etwas mehr Recherchen betreiben um zu verstehen, was diese Region so zurückgeworfen hat und später unser Urteil revidieren.

Die Abfahrt nach Port St. Johnes, unserer Zwischenstation auf dem Weg nach Durban, war eine willkommene Abwechslung. Wir stiegen mit Groenie die Berge hinab. Es wurde hügeliger und immer grüner. Die Landschaft war schön. Hier wuchsen ganz andere Pflanzen als wir sie bisher gesehen hatten, andere Palmen, andere Blumen. Es wuchsen wieder richtige Bäume. Und letztendlich begleitete uns ein Flüsschen ins Tal. Im Abendlicht stieg Nebel daraus auf und in die steilen Felsen durch die Baumkronen.

Unser Backpackers war nicht schwer zu finden. Es lag auf einem Hügel zwischen dem Tal und den Felsen im Rücken und dem Strand auf der anderen Seite. Man kann dieses Backpackers als „alternativ“ bezeichnen. Die Herbergseltern sahen jedenfalls aus wie typische Aussteiger. Das Haus war sehr schön bunt und offen. Man konnte sich frei bewegen, wie auch die Hunde und Katzen, und alles nutzen, was da war. Es gab eine wuselige Küche, saubere Duschen mit echtem Gecko an der Decke kleben, einem Pool, weichen Betten, einem Chill-Out Room inklusive großer Stereoanlage, riesigen Fernseher und Dolby-Sourround Anlage. Und von allen Zimmern hatte man einen tollen Blick zum Meer. Im Garten standen Holztische mit Kerzen. Darum waren flache Liegen mit bunten Kissen aufgestellt und der Boden war mit Bastmatten ausgelegt. Bambus und ein Blätterdach, in dem kleine Elfen schaukelten, bildeten den Sichtschutz der Terrasse.

In der Herberge nebenan befand sich eine Bar wo wir lecker Pizza gegessen haben und England gegen Portugal geschaut. Unten im Dorf war irgendetwas im Gange. Man hörte laute Rufe und Geschrei. Es klang nach so etwas wie einem Hahnenkampf oder einem Boxkampf. Das war uns zwar nicht so geheuer aber störte uns dann doch nicht wirklich. Wir vielen Müde ins Bett und schliefen tief und fest mit einer grauen lieben Katze als Aufpasser zu unseren Füssen.

Tag 11: (02.07.2006) 

Der Morgen (02.07.) brachte einen gigantisch farbigen Sonnenaufgang und wir frühstückten gemütlich auf der Terrasse.

Als wir Port St. Johns verließen erlebten wir noch eine ziemlich komische Begebenheit. Eine Gruppe Schwarzer stand unten im Dorf an einer Straßenecke. Als wir an ihnen vorbei fuhren beobachteten sie uns mit einem undefinierbaren Seitenblick. Aus Freundlichkeit versuchten wir ihnen zuzulächeln. Da griente uns einer verzogen an und bewegte die Hand in einer Geste, die sagte: „Verpisst euch mal ganz schnell von hier!“

An der Tankstelle wollten wir Groenie zur Sicherheit noch voll Tanken. Doch der (schwarze) Tankwart sagte uns, dass es gerade unser Benzin nicht gäbe. Es wäre aus. Auf die Frage wo die nächste Tankstelle wäre berichtete er, dass es in der Gegend keine andere Tankstelle gäbe, drehte sich um und ging. Wir schauten uns ungläubig an und fuhren verunsichert weiter. Zwei Straßen weiter fanden wir die uns bei der Hinfahrt aufgefallene Shell-Tankstelle. Diese versorgte uns ohne weiteres mit Kraftstoff. Da fragten wir uns natürlich ziemlich verwundert, was das für Aktionen waren, die wir da eben erlebt hatten. Mit einem unguten Bauchgefühl verließen wir diese schöne aber feindliche Bucht in Richtung Durban.

 

… Weiter im Bericht über Durban …