2006/07/08 - Lesotho
Hier findet ihr Fotos zu Lesotho: http://fahrinurlaub.tripod.com/lesotho/
Ihr wolltet doch sicherlich schon immer mal den Julius auf einem Pferd sitzen sehen, oder?
Nach seinem ersten Ritt am Strand, wagte er in Lesotho gleich den großen Schritt zu einem 5-Stunden Ritt.
Eigentlich hatten wir einen geführten 1-Tages-Ausritt gebucht. Doch bei unserer Ankunft bei den Liphofung Caves bei Butha-Buthe hatte man noch nicht mal mit uns gerechnet. Bei den Angestellten der Rezeption war bereits der 7. Juli und wir hätten am 6. Juli anreisen sollen. Tatsächlich war es aber der 6. Juli. Nachdem dieses Missverständnis geklärt war und wir unser Rondavel bezogen hatten, fragten wir, wann am nächsten Tag unser gebuchter Ausritt beginnen würde. Mit großen Augen wurde uns berichtet, dass dafür keine Buchung vorläge und der Guide auch seinen freien Tag hätte – morgen. Aber sie würden versuchen es möglich zu machen.
Tag 16: (07.07.2006)
Am nächsten Tag sahen wir vom Dorf auf der gegenüberliegenden Seite des Tals 2 Pferde herannahen. Diese waren tatsächlich für unseren Ausritt bestimmt. Man hatte die beiden einzigen freien Tiere aufgetrieben, eines vom Dorfreichesten, der einen kleinen Lebensmittelladen an der Hauptstraße besaß, und eines von dessen Freund. Drei junge Männer führten die Pferde bzw. liefen neben uns her – die ganzen 5 Stunden über. Dabei die Söhne der beiden Männer und ein Freund, der gerade nichts zu tun hatte.
Und so ritten wir dann durch die wundervollen Berge, über unwegsames Gelände, durchquerten Dörfer und Felder und ritten durch den Fluss im Tal. Überall wohin wir kamen, staunten uns die Menschen an. Die Frauen hörten auf zu arbeiten, die Kinder jubelten und riefen nach Süßigkeiten, die ganz kleinen saßen auf der Erde und guckten mit großen Augen nach den ungewöhnlichen Gästen.
Wir ritten vorbei an Kuhfladen, die zum Trocken auf den Felsen in der Sonne lagen. Wir kamen vorbei an Maisfeldern auf denen Esel die trockenen abgeernteten Strünke abfraßen. Am Bach wurden Schafe, Ziegen und Kühe von alten Männern und kleinen Kindern zum Trinken geführt. Frauen sammelten in den Büschen Hagebutten. Männer pflügten die abgeernteten Felder mit Ochsenkraft.
Wir erlebten den gesamten Tagesablauf des Lebens auf dem Land in den Bergen Lesothos. Und Julius machte sich nicht schlecht als Reiter (Fotos).
Lesotho kann man eigentlich nicht beschreiben. Es ist noch so ursprünglich und natürlich. Es gibt selten Strom, so auch nicht bei uns. Die Sonne bestimmt den Tagesablauf. Mit den ersten Sonnenstrahlen regt sich Leben im Dorf. Die Tiere werden raus gelassen. Gefrühstückt wird eigentlich nicht. Vielleicht gibt es Milch und Brot. Ziegen und Rinder werden zum Tränken an den Fluss gebracht. Die Männer ziehen mit Ochsenkarren ins Feld. Die Frauen wirtschaften im und um das Haus. Alle Kinder haben ihre kleinen Aufgabe, wie die Ziegen zu hüten, auf die Geschwister aufzupassen, das Wasser zu holen, den Garten zu pflegen, … doch es gibt so viele, dass die meisten nur spielen.
Mittag schicken die Frauen das Essen aufs Feld und es ruht die Arbeit für eins-zwei Stündchen. Die Tiere trinken ein weiteres Mal am Fluss. Nachmittag wird die letzte Ernte eingeholt, des Nachbarn Haus und Hof ausgebessert und die Tiere zusammengetrieben. Senkt sich die Sonne, lehren sich die Felder und die Rondavels fangen an zu „brennen“. Die Frauen machen Feuer und der Rauch zieht durch das Reetdach in die Dämmerung. Die Mädchen fangen mühevoll die Schweine ein um sie zurück in den Stall zu schleifen. Ochsen ziehen die schwer beladenen wackeligen Karren heim.
In die Dunkelheit hinein hört man das Feiern und Singen in manchen Hütten im Dorf.
Der Sonnenuntergang in Lesotho (Afrika überhaupt) ist wunderschön kräftig farbig in den Tönen Dunkelblau über Hellblau, zu Gelb, Orange und Feuerrot. Der Sternenhimmel ist so voller Sterne, wie man es noch nie zuvor gesehen hat. Man hört auch keine Autos, kein Hupen, keine Sirenen. Man riecht auch keine Abgase. Die Luft ist so klar.
Eigentlich hört man nur die Tiere, die Menschen und ihre Werkzeuge. Man braucht auch keine Telefone. Jede Familie hat so ihre eigenen Pfeiflaute mit denen sie sich verständigen. Man unterhält oder verständigt sich mit Rufen vom Dorf ins Tal hinunter und umgekehrt. Oder man benachrichtigt die Nachbarn und Freunde auf der anderen Talseite indem man sich zuruft. Irgendwie so muss auch die Information hin und zurückgekommen sein, dass der Führer unserer Pferde nicht kommen kann und dass andere Tiere organisiert wurden. Im ganzen Tal gab es nur zwei Autos und diese waren dazu da, Lebensmittel oder bestimmte Gebrauchsgegenstände aus der Stadt zu holen oder Arbeiter in die Stadt oder abends heim zu fahren.
Es war endlich mal richtig kühl draußen. Leider gab es keinen Schnee, obwohl die Jahreszeit diesen hätte bringen müssen. Es war so gemütlich in unserer Hütte mit Petroleumlampen als einzige Lichtquelle und Gasofen zum aufwärmen. Und dieses Ding war effektiver als die ollen Heizplatten in Kapstädter Wohnungen. Wenn der Tee dampfte und wir auf den Kuhhäuten unserer Holzhocker am schiefen Tisch saßen, Zuckerrohr kauend, dann war die Welt in Ordnung.
Es ging uns so verdammt gut da oben in der Einfachheit! Es braucht manchmal wirklich wenig zum glücklich sein.
Der Tagesablauf hat uns so gut getan, dass ich seit langem mal wieder keine Kopfschmerzen mehr hatte. Wir waren ausgeschlafen und erholt, irgendwie fitter. Wahrscheinlich kein Wunder, wenn man 9 bis 10 Stunden schlafen kann, denn gegen 21Uhr, zwei Stunden nach Sonnenuntergang, gingen wir ins Bett und standen zwischen 6 und 7Uhr wieder auf.
Man mag fast nicht hoffen, dass Lesotho sich entwickelt, denn dieses Leben ist ein Schatz und Entwicklung macht die Menschen dort auch nicht glücklicher.
Ein Junge unserer drei Führer erzählte uns von dem Wunsch nach London zu gehen. Wir fragten ihn, ob er schon mal außerhalb von Lesotho oder in einer größeren Stadt war. Er hat das Land noch nie verlassen und war aber schon mal in Maseru, der Haupstadt von Lesotho, wo es ihm aber überhaupt nicht gefallen hat, weil es dort stinkt und laut ist.
Da wussten wir nicht, ob wir ihm seinen Traum zerstören sollten oder ihn darin hoffen lassen sollten. (Maseru ist ziemlich klein, schon gegen südafrikanische Städte geschweige denn London.) Diese Menschen wissen nicht, was für ein Schatz ihr Land ist und ich wünschte, sie würden sich nie nach etwas anderem sehnen!
Wenn ihr irgendwann mal Südafrika besucht, dann konzentriert euch nicht nur auf Kapstadt, Johannesburg oder Kimberley. Bereist Mpumalanga, Kwazulu Natal, Swaziland und Lesotho. Nehmt die Natur und Kultur mit. Bei den Städten verpasst ihr nichts, denn das historisch verwöhnte europäische Auge wird dort nicht fündig.