Katrin&Julius

Our Year in Capetown

2006/06/16 - Imhoff

Fotos findet ihr unter: http://edwinbeutel.tripod.com/imhoff/ 

Anstatt am Donnerstag machten wir unseren Ausflug letzte Woche erst am Freitag. Nach zwei Präsentationen und zwei Klausuren waren wir so kaputt, dass wir Donnerstag erst mal ausschlafen mussten. Doch wir waren auch produktiv, fuhren Einkaufen, meldeten uns beim AA, dem südafrikanischen ADAC, an für die bevorstehende Reise, wir aßen Sushi bei einem neu entdeckten kleinen Restaurant, welches von einem jungen Paar geführt wird und wo das Sushi für uns zwei zum sattmachen inkl. Getränke ca. 10€ kostet. Danach waren wir noch Minigolf spielen und haben die Fallstudie für die Klausur am Montag kopiert, die wir nun noch irgendwann am Wochenende lesen, analysieren und kommentieren mussten. Also eigentlich kann man sagen, war der Donnerstag ein halber Entspannungstag, eben so produktiv, dass man kein schlechtes Gewissen haben muss und so easy-going, dass man sich vom Arbeits-Marathon in den Tagen davor erholen konnte.

Freitag früh fuhren wir nach Nordhoek, einem ort an der Atlantikseite der Kap Halbinsel. Dort hatten wir uns zu Mittag zum Reiten angemeldet. Wir? Ja alle, auch die blutigen Neulinge! Steffi hatte schon ein Gefühl für Pferde, da sie schon ab und an mal geritten war. Falko und Julius haben in ihrem Leben maximal auf einem Rummel-Pony eine Runde gedreht. Es war lustig, wie aufgewühlt sie waren. Zwei Tage zuvor prasselten schon hundert Fragen auf uns Frauen ein, wie man sitzt, was man anzieht, was man machen muss, ob es weh tut, was passiert, wenn … usw. 

Doch sie waren erleichtert, als sie erfuhren, dass in der Gruppe weitere Neulinge mitritten. Und es war überhaupt kein Problem gemischt zu reiten, denn es gab gemütliche Pferde für die Erstlinge und Draufgänger für die Erfahreneren.

Zunächst wurden also die Pferde zugeteilt. Kaltblüter waren leider gar nicht da und so bog sich des Pferdes Rücken unter Julius Gewicht ein wenig, aber die Frage nach der Maximalbeladung hatten wir bei Anfrage geklärt.

Erst ging es auf einem schmalen Pfad ein wenig durch Buschland hinunter zum Meer und die Pferde trotteten so vor sich hin. Zwischen den Pflanzen, Schilf und Graß am Brackwasserbecken raschelten Eidechsen, machten kleine Vögel warnende Klick-Geräusche und stieg schreiend sanft ein grauer Reiher auf. Da zuckte mal ein Pferd im Überraschungsmoment aber ab durch die Mitte ging keines von ihnen.

Der Wind vom Meer nahm zu und wehte in den Mähnen. Mit dem Wind nahm auch die Nervosität der Tiere zu. Sie wussten schon, dass sie gleich Tempo machen durften. Am Strand angelangt waren sie kaum noch zu halten. Manche begannen schon zu tänzeln und warteten nur auf das Wort „Trab“ der Führerin, welche erklärte, was wir jetzt machen würden, um ohne Kommando des eigenen Reiters los zu laufen. Und so setzte sich alles in Bewegung. Manche schafften es, das Pferd zu bestimmen, dass es aus Enthusiasmus nicht gleich losgaloppiert, andere hatten zu tun, sich im Rüttelgang im Sattel zu halten.

Mein aufgewecktes Pferd hieß Storm und das zu Recht. Es war eines der Leittiere und musste natürlich auch vorne mit dabei sein. Am Anfang hatte ich keine Chance aus dem Galopp wieder einen Trab zu machen aber hauptsächlich, weil Storm eben vorn sein musste. Sobald er in der Gruppenspitze ritt, ging er in einen hoppeligen Trab über, der mir so unangenehm war, dass ich ihm langsamen Galopp zugestand. Julius sah so lustig aus auf seinem Jonathan, übrigens ein wunderschönes Pferd. Jonathan machte sich nicht die Mühe mit Julius los zu galoppieren. Er trabte so gut es ging in der Truppe mit und rüttelte Julius auf seinem Rücken ganz schön durch. An seinem Gesichtsausdruck ließ sich nicht erkennen, ob er es nun toll oder anstrengend fand es war so ein verzerrtes Lächeln dazwischen.

Eine Gruppenführerin, eine weitere erfahrenere Reiterin und ich blieben dann etwas zurück und ließen die anderen Abstand gewinnen. Aber dann ging es zu Sache. Die Pferde tänzelten, schauten nach den Anderen. Die Instruktion hinter der Leiterin zu bleiben verstanden wir schon, aber unsere aufgeregten Genossen nicht wirklich. Als das Kommando zum Galopp kam, gab es für sie nur noch eines, jeden Muskel im Körper anspannen und hinterher. Das war ein Tempo. Erste nach ca. 100 Metern gelang es mir Storm in ein für mich kontrollierbares Tempo zu bringen. Vorher hatte ich nur den leichten Sitz eingenommen, das heißt in die Steigbügel gestellt - nicht mehr gesessen - und mich von der Geschwindigkeit tragen lassen. Ich schaffte es Storm hinter das Pferd der Leiterin zu setzten und ihr dann in leichtem Galopp zu folgen.

Es mag wirklich romantisch aussehen, wenn jemand im Film im Galopp am weiten Strand entlang galoppiert, aber es ist eigentlich ziemlich anstrengend und ich habe nicht wirklich was von der Umgebung mitbekommen. Die Beschäftigung lag eher darin, das Pferd unter Kontrolle zu bekommen, die anderen im Auge zu behalten und aufzupassen, das unerwartete zu erwarten, um nicht unverhofft bei einem Seitensprung des Tieres neben ihm im Sand zu landen. Was ich noch weiß ist, wie sich die Hufe auf dem Boden anhörten. Es war feuchter Sand, doch es hämmerte auf den Untergrund als ritte man über Pflasterstein - laute, hole, peitschende, harte Klänge wie von hölzernen Nussschalen oder Sandkastenfiguren, wenn sie auf dem Rand des Buddelkastens aufgeschlagen werden.

Bei der Gruppe angekommen gingen wir in Trab und in Schritt über. Die Gefahr war nämlich, dass die Ganze Gruppe losstürmt, wenn die Leitpferde sie ein- bzw. überholen. Aber alles war gut und ich war glücklich.

Der Rückweg war ein gemütliches Wandern. Die Pferde waren entspannt und schritten so vor sich hin. Dabei stellte sich auch heraus wer wen mag, und wer nicht, denn es formierten sich Grüppchen von 2-5 Pferden, die friedlich nebeneinander her stiefelten. Julius Jonathan und mein Storm waren wohl nicht die besten Freunde. Denn nach meinem Galopp brauchte ich ein Taschentuch, welche Julius hatte. Doch es war nicht einfach an ihn heran zu kommen. Storm weigerte sich, mehr als 2 Meter an Jonathan heran zu reiten, legte die Ohren an und warf missgünstig den Schweif hin und her. Wir mussten also lange Arme machen.

Die Dünen wieder hoch zum Hof, schnauften unsere netten Vierbeiner ganz schön. Sie waren kaputt - manche mehr, manche weniger - und es war ziemlich warm geworden, 25°C im Schatten.

Nachdem wir unsere müden Muskeln ächzend vom Pferderücken geschwungen haben, gab es noch kurze Lobes-Klapse auf den Hals und die Tiere wurden abgesattelt. Die Jungs sortierten ihre Gliedmaßen und wir Mädels planten schon unseren nächsten Ausritt.

Eine Pizza konnte und wieder Kraft geben aber leider nicht die Schmerzen in Po und Schenkeln lindern. Fragt nicht, wie es uns am nächsten Morgen ging. Wir laufen immer noch alle wie geschundene Cowboys breitbeinig herum. Irgendwie war an den Sätteln was anders. Wir pflegen die Schwellungen an Beckenknochen und inneren Oberschenkeln. Der Muskelkater im Rücken hat sich da etwas schneller verzogen. Aber es war schön, das sagen alle!

Julius hat am Ausgang des Imhoff, bei der Schlangenfarm noch die Gelegenheit bekommen, eine Schlange zu halten und war ganz fasziniert von ihrem Glanz und ihren geschmeidigen Bewegungen.

Auf dem Heimweg haben wir den Chapman’s Peak genommen, eine Küstenstraße am Berg entlang von Nordhoek nach Hout Bay. Dabei haben wir noch die Aussicht genossen und die warme Nachmittagssonne.