Katrin&Julius

Our Year in Capetown

2006/06/04 - Winelands

Bilder findet Ihr unter: http://edwinbeutel.tripod.com/wineland/ 

Wir haben keine Lust mehr! Schule nervt! :)

Sonntag schien die Sonne und es wurden 25°C Außentemperatur. Ein perfekter Tag um auszufliegen. Wir entschlossen uns kurzerhand einen halben Tag frei zu nehmen und unsere müden Knochen zu bewegen.

Nach knapp 6 Stunden Schlaf suchten wir eine schöne Gegend auf der Wanderkarte um Stellenbosch. Am Vorabend gab es einen späten Film, aber wenn man was vom Tag haben will, dann muss man eben früh raus.

7.30Uhr standen wir zerknirscht auf löffelten ein paar Cornflakes, bügelten die Schlaffalten aus dem Gesicht und zimmerten etwas Reiseproviant zusammen. Die Sonne stand mal wieder tief an diesem Morgen und leicht verblendet erreichten wir unser Ziel, das Weingut „Uitkik“ nördlich von Stellenbosch. Zwischen Kuhweide, Pferdekoppel und Weinfeld der Rebsorte „Shiraz“ stellten wir unseren Groenie ab und schlenderten los.

Nach wenigen Metern entledigten wir uns der Windjacke, noch ein paar Meter weiter und auch der Pullover wurde sich um die Hüfte gebunden. So marschierten wir im südafrikanischen Dezember in T-Shirt durch die Hügellandschaft.

Das Sonnenlicht zauberte farbenfrohe Impressionen. Die Erde und das restliche Laub der Weinreben waren rotbraun gefärbt. Der Berg und das Gras waren saftig grün. Der Himmel strahlte blau. Und ab und zu wanderte eine weiße flockige Wolke darüber hinweg.

Bald merkten wir, dass wir wirklich schon lang nicht mehr wandern waren. Wie viele Wochen ist es her? Drei bestimmt. Jedenfalls waren die Beine schwer, die Lunge schmerzte und der Puls schaukelte sich nur all zu schnell nach oben. Meine Güte, warum auch immer, aber wir waren wirklich fertig. Dabei essen wir doch nur gesund bei Kauai und trinken auch unser Gläschen Bier/Wein jeden Abend. Studieren ist nicht gesund für uns.

Jedenfalls wollten wir zunächst noch den vor uns liegenden Berg (1199m hoch) besteigen, doch Julius bat darum, davon abzusehen, nicht zuletzt auch, weil seine vom Squash-Spiel geschundenen Bänder im Fuß sich wieder meldeten. Wir suchten also nach dem Rückweg und ihr werdet es nicht glauben, wir haben uns verlaufen.

Anstatt nach Uitkik sind wir zum Delheim Weingut geraten. Zum Glück stand das auch in der Karte und wir wussten, dass wir noch mal hätten 9km zurück laufen müssen, wenn wir nicht wieder über den 415m hohen Hügel zurück wandern wollten. Wir mussten den flacheren längeren Weg gehen. Es war bereits Mittag und die Sonne schien auf unsere Köpfe. Unsere Flasche Wasser neigte sich dem Ende und Julius schlimmer Fuß brauchte ebenen Boden.

Also marschierten wir entschlossen los. Es ging durch die Arbeitersiedlung des Gutes, vorbei an ein paar Truthähnen und einem Strauss. Auf dem ersten Kilometer vom Weingut Delheim in Richtung Hauptstraße R44 näherte sich von hinten ein Auto. Julius fragte mich, ob er es anhalten dürfe, das (weiße) Pärchen hatte beim Hinfahren zum Gut schon freundlich gegrüßt. Wir wurden also bis zur Hauptstraße mit genommen, was uns gut 3km sparte.

Das nette Paar, Alter um die 40, war aus England. Auch sie waren seit Januar in Cape Town und würden noch bis November bleiben. Eigentlich wollten sie nach hier auswandern, doch sie haben sich für Aderlay in Australien entschieden. Sie finden Südafrika schön, aber gesellschaftlich ist hier noch einiges im Argen. Um die Sicherheit ist es schlecht bestellt und die Weißen wären hier komisch. Komisch in dem Sinne, dass sie Fremde von oben herab behandeln und man schlecht in die Gemeinschaft findet. Außerdem herrsche immer noch eine Art Rassismus. Die Schwarzen ackern und die weißen Bosse stecken das Geld ein. Jedenfalls finden sie das System noch lägst nicht in Ordnung. Soviel erfährt man bei 5 Minuten Small-Talk mit Engländern. Die sind da echt Meister!

Gut finde ich, dass wenn sie die Situation so einschätzen, sich nicht der Einfachheit halber zu den Weißen dazugesellen, sondern sich für ein anderes Land zum Leben entscheiden. Andererseits ist es auf jeden Fall auch so, dass viele Schwarze aus der kulturellen Prägung heraus gar nicht produktiv arbeiten könnten ohne die (An-)Leitung von hellhäutigen Führungskräften. Dafür können weder die einen noch die anderen etwas, aber es wirkt natürlich abschreckend und ungerecht und sicherlich werden Positionen missbraucht – nicht zu selten. Das ist leider überall so. Sicherlich gehört das Land ursprünglich den Schwarzen und spätestens nach der schlimmen Zeit der Apartheid haben sie jedes recht sauer zu sein. Doch würden die Weißen das Land verlassen, dann wäre kein wirtschaftliches Wachstum möglich. Wenn die Ansichten dass ein Mann mehrere Frauen haben sollte, die Frauen nichts lernen brauchen, viele Kinder bekommen und sich ums Kochen und Reinigen kümmern sollten, und ähnliches sich durchsetzen würden, dann wäre SA bald wieder tiefstes Dritte-Welt-Land.  

Wir hatten noch 5 km des Weges vor uns und innerhalb einer knappen Stunde auch geschafft. Als wir Groenie wieder sahen, waren wir echt froh. Unterwegs hatten wir noch Pläne gemacht, dass wir vielleicht noch eine Runde Minigolf spielen könnten. Jetzt wollten wir nur noch heim, duschen und schlafen und das 13Uhr Mittag.

Schon unterwegs hätte uns eins komisch vorkommen müssen. Die Rebsorten der Weinfelder wechselten von den hellen des Shiraz und des Chardonnai über zu den dunklen Sorten Pinot Noir, Cabernet Sauvignon und Merlot. Außerdem war auf dem Weingut Uitkik vor jeder Reihe Rebstöcke noch ein einzelner Indiziator-Rebstock vorgebunden. Bei späteren Weinfeldern war es nicht mehr so. Die Rebstöcke wurden in Uitkik auch an den Pfahl- und Spannvorrichtungen hochgezogen. In Delheim wachsen die Jungpflanzen erst einige Jahre frei, bevor sie daran ausgerichtet werden.

Naja, so haben wir auch noch was über unterschiedliche Anbaustrategien gelernt, was uns ohne das Verlaufen wohl nicht so richtig aufgefallen wäre. 

Unterwegs haben wir auch noch ein paar vergessene Trauben kosten können. Die waren zuckersüß und saftig. Die Vertrockneten waren leider vergoren und keine Rosinen, wie wir gehofft hatten.

Neben ein paar schönen Fotos habe ich auch noch einen höchst persönlich selbst gefundenen Stachelschwein-Stachel mit nach Hause gebracht. 

 

Gegen 14Uhr waren wir wieder daheim. Ich hatte wohl einen Sonnenstich, weil furchtbare Kopfschmerzen und Übelkeit im Doppelpack. Nach einer heißen Dusche und 1,5h Schlaf, ging es mir aber wieder gut. Auch Julius machte ein Mittagschläfchen und wir beendeten den Tag produktiv, indem wir am Nachmittag unseren Business Report + SWOT Analyse + PowerPoint Präsentation für Mittwoch (internationales Marketing – Projekt: Exportbusiness) fertig gestellt haben.

 

„Der frühe Vogel fängt den ersten Wurm!“