2006/05/04 - Two Waterfalls
Bilder findet Ihr unter: http://juliusbeutel.tripod.com/waterfalls/
Es war mal wieder Donnerstag, das heißt Ausflugstag. Für Euch heißt das ihr bekommt wieder was zum Lesen.
Wir haben uns noch mal in Richtung Stellenbosch gewagt, nachdem wir beim letzten Anlauf durch die Touristeninformation völlig in die Irre geleitet worden waren. Diesmal sind wir nach Karte und Bauchgefühl gefahren und tatsächlich dort angekommen, wo wir auch hin wollten, zum Jonkershoek Nationalpark. Dort gibt es mehrere ausgeschriebene Wanderwege. Der Park ist aber sehr abgelegen und demnach dünn besucht. Es waren ganze drei Autos im Gelände unterwegs, welche insgesamt mit 8 Leuten gefüttert waren, uns 4 und 2 weiteren Pärchen. Woher wir das wissen. Am Parkeingang musste man sich in eine Liste eintragen, damit man auch zur Not identifiziert werden kann, wenn man irgendwo verloren gegangen und später die Reste aufgefunden werden. Scherz!
Dann ging es über eine hoppelige Schotterpiste noch mal 5km bis zum Startpunkt des Two-Waterfall Trails. Dieser sollte nicht so lang, aber wunderschön sein. Schon die Einfahrt in die Berge war wunderschön. Links und recht erhoben sich erst sanft dann immer steiler grüne Hügel. Die felsigen Bergkuppen hüllten sich in Nebelwolken. Beindruckend schön!
Es war unglaublich wie viele verschiedene Pflanzenarten hier wuchsen. Lange nicht hatte ich so eine Vielfalt an Grüntönen mehr gesehen. Der Weg schlängelte sich schmal durch das Tal an einem rauschenden Fluss entlang. In den Gräsern und auf den Blättern der Büsche glänzten dicke Tautropfen. Beim Vorbeigehen ließ ich meine Finger durch die unterschiedlichsten Pflanzen gleiten, um sie endlich besser kenne zu lernen. Kennt ihr die Geschichte vom ersten Maientau? Früher wurde den Mädchen erzählt sie sollen am ersten Mai früh hinausgehen und mit den ersten Tautropfen ihr Gesicht benässen. Das solle jung und schön machen. Selbst wenn hier der Mai nicht Frühjahr ist und sich auch bei mir die ersten Lachfalten in die Augenwinkel graben, benetzte ich mein Gesicht. Das fühlte sich sehr befreiend an.
Es sollte in diesem Nationalpark Fischadler, Klippspringer und sogar Leoparden geben, aber so sehr wir uns auch anstrengten, wir konnten keine der großen schönen Katzen oder der kleinen Rehart entdecken. Wahrscheinlich leben diese in höheren Lagen.
Nach 3km entdeckten wir den ersten Wasserfall. Und dieses Mal war da auch richtig viel Wasser drin, nicht so wie in Silvermine, wo wir Bewunderer eines trockenen Flussbettes wurden. Wir verließen kurz den Weg, um uns dem Fuß des Wasserfalls zu nähern. Unterhalb des Wasserfalls war es wie im Märchenland. Lange Flechten hingen von den Felsen herab und aus ihnen vielen stetig Tropfen. Die Luft war kühl und klar, das Wasser ebenso und kupfern rot.
Wir waren gespannt, wie wohl der Zweite Wasserfall aussieht und zogen weiter. Doch plötzlich brach der Weg ab und wir standen vor einem etwas breiteren rauschenden Bach. Und nun? Tja, Schuhe aus und durch. Uh, das war kalt. Die Füße zwiebelten schon etwas aber irgendwie war es lustig. An dieser Stelle wartet man ja darauf, dass irgendjemand ausrutscht und ins Wasser plumpst. Weil wir aber noch weiter wollten, nicht mit solch einer Herausforderung gerechnet hatten und demnach auch keine Ersatzkleidung dabei hatten, waren alle (Falko und Steffi, Julius und ich) besonders aufmerksam und durchquerten unbeschadet das Flüsschen. Nach dieser lustigen Erfrischung ging es weiter.
Es musste die letzten Tage etwas ausgiebiger geregnet haben, denn unser Weg wurde von kleineren Rinnsalen als Flussbett missverstanden und fälschlicherweise zweckentfremdet. Für uns bedeutete das, den Gleichgewichtssinn zu trainieren und immer schön am Wegesrand entlang zu balancieren.
Als wir uns laut Karte dem Endziel unserer Wanderroute nähern sollten ging es dann doch noch mal steil nach oben, einen schmalen Pfad knapp am Abgrund entlang. Das eröffnete natürlich einen wundervollen Ausblick. Am Ende der Schlucht stürzte sich der zweite Wasserfall den Felsen hinab. Auch an dessen Fuß war es frisch. Beim Atmen konnte man kleine Wölkchen hauchen, so kühl war es hier. Bei Trockenzeit muss man den Wasserfall hinaufklettern können. Wir lasen nur ein Warnschild, dass der Aufstieg gefährlich wäre und konnten auch nicht wirklich einen weiterführenden Weg entdecken. Mit derlei Pfaden hatten wir ja schon am Tafelberg Bekanntschaft machen dürfen. Keine Experimente mehr!
Wir verspeisten hier unseren Proviant und traten langsam den Rückweg an. Da es kein Rundweg war, ging es den gleichen Pfad zurück. Die Hänge zu beiden Seiten des Tales senkten sich nach und nach. Es wurde wieder heller. In der Ferne konnte man schon wieder die Weinfelder von Stellenbosch erspähen. Und natürlich mussten wir auch noch mal durch unsern lustigen Bach.
Zurück am Parktor genossen wir alle eine Tasse Kaffee oder heiße Schokolade. Ja Leute, hier ist Winter! Komisch wenn man bei 15-18°C schon friert, wie man das in Deutschland bei 0-5°C täte. Die Heizdecken und Heizkörper gehen gerade weg wie warme Semmeln. So wie bei uns Osterhasen verkauft werden, stehen hier die warmhaltenden Haushalts- und Elektrowaren in Bergen zwischen den Einkaufsregalen und vor den Kassen sämtlicher Supermärkte.
Am Abend gab es dann zur Belohnung All-You-Can-Eat Pizza für Alle. Julius nahm das Motto natürlich beim Wort und griff ordentlich zu. Die Folge waren Bauchschmerzen am nächsten Tag. Aber was kann man denn schon für seinen guten Appetit? Wenn’s doch schmeckt!