2006/05/01 - Snoop Dog
Bilder vom Konzert findet Ihr hier: http://juliusbeutel.tripod.com/snoop_dog_was_in_town/
Gestern war ein aufregender Tag. Es war der Tag, an dem ich das erste Mal zu einem Konzert gegangen bin. Natürlich war ich schon in der Oper oder bei Orchester-Auftritten. Und ich hatte auch mal das Glück die Weather Girls in München beim Deutschen Turnfest auf einer Bühne 2 Songs performen zu sehen, aber so ein richtiges Konzert in einem Stadion, wo man sich Karten für kauft, erlebte ich noch nie.
Schon im Februar las ich im Netz, dass Pharrell Williams, Sean Paul und Snoop Dog nach Cape Town kommen sollen. Davon erzählte ich Julius, aber er konnte sich darunter nicht wirklich was vorstellen. Irgendwann erwähnte ich es auch vor Falko und Steffi, den anderen beiden Deutschen. Falko kannte Sean Paul und fand zumindest die Musik gut. Er strahlte also auch etwas Begeisterung aus. Nachdem wir raus bekommen hatten, was das Konzert kosten soll, war beschlossen, wir gingen hin. Pro Person konnte man zwischen 110 und 360 Rand bezahlen, umgerechnet sind das zwischen ca. 15 und 45 Euro.
Das Programm begann 13.00Uhr mit South-African Stars und gegen 18.00Uhr sollten dann die internationalen kommen. Wir hatten Vormittag noch etwas für die Schule zu tun, fuhren Mittag zur Waterfront und aßen bei KAUAI ein leckeres Sandwich, um danach langsam unsere Plätze im Greenpoint-Stadion einzunehmen.
Die südafrikanischen Gruppen waren nicht schlecht. Wir kannten sie nur leider nicht, also waren wir nicht so mitgerissen. Doch eine Band „Freshly Ground“ war uns bekannt. Wir mussten für das Studium mal eine ISP (internet service provider) Werbung suchen, die von einem SA-Star supportet wird, und gingen angestrengt auf Suche, denn wir kannten bisher niemanden. Da wir nicht fernsehen, war uns auch noch keiner über den Bildschirm gelaufen. Bei der Suche fanden wir die Newcomer des letzten Jahres, und das war eben Freshly Ground.
Die waren gut und wir erkannten ein paar Lieder wieder, die hier des Öfteren im Radio laufen und konnten schon mal mit singen und mitjubeln.
Und wer kam 18.00Uhr? Mario! Der kleine Mario, über den Julius und ich in Deutschland immer gelächelt haben, weil er von „Ladies“ singt und wahrscheinlich in seinem Leben noch nie eine im Arm gehalten hat, weil er sich bewegt wie ein scheuer Junge, wenn eine Tänzerin in seine Nähe kommt – nur eine Vermutung. Das war in seinem ersten Video so, und so war es auch gestern Abend. Aber er hat eine tolle Stimme und darauf kommt es bei einem Sänger ja an. Und seine Schüchternheit macht ihn auch sympathisch.
Nach ihm gab es erst mal eine Verlosung von dem Brand, der das Konzert hauptsächlich sponserte – Premier Food. Dabei lernten wir, dass sämtliche Produkte 100% von Schwarzen aus SA produziert werden. Auch eine nette Art zu sagen: „Kauft SA-Produkte! Seid stolz auf euer Land! Das Land gehört den Afrikanern! Afrika/ner hält/haltet zusammen! SA in die Zukunft und das aus eigener Kraft!“ Warum wird Frau Künast eigentlich dafür gerügt, wenn sie die Deutschen dazu anregt, heimische Produkte zu kaufen? Ist das was anderes, nur weil es in Deutschland geschieht?
Jedenfalls ging es nach dieser kleinen Gehirnwäsche dann weiter mit Pharrell. Für mich war er eigentlich das Highlight des Abends, denn ich mag seinen Stil. Im TV sieht man nicht viel von ihm, weil er etwas rockigeren Hip-Hop macht. Meist tritt er mit anderen Stars im Duett auf und ist dort markant mit seiner hellen hohen Stimme. Die anderen kannten ihn nicht und wurden auch nicht überzeugt. Auch nach seiner Show, sagte ihnen die Art von Musik nichts. Egal, ich fand ihn toll und die Leute im Publikum auch. Richtig klasse war, als er 3 Mädels auf die Bühne holen wollte. Da ging vielleicht ein Geschrei los! Und er nahm einen Strahler in die Hand, um im Publikum durchzuleuchten, ob er heiße Hintern findet. Tatsächlich hat er ein paar hübsche Dinger rausgezogen, schlank, groß, mit sexy Popsis und bewegen konnten die sich auch noch. Klasse. Wurde richtig heiß da oben. Die Frauen wurden von Pharrell betanzt und genossen es auch sichtlich. In Deutschland hätte man nie so lockere, hübsche, bewegungsfreudige und unverkrampfte Frauen gefunden. Bei uns stehen in der ersten reihen doch immer nur die kleinen dicken Mädels mit Pickeln und Zahnspangen – sorry, das ist sicher ein Vorurteil, aber öfter bestätigt durch Viva und co. . Ich frage mich bis jetzt, wie er in der eng gedrungenen Menge von Leuten solche Hintern finden konnte … und ob die sich Mädels wieder unter die Massen gemischt haben oder hinter der Bühne geblieben sind J ?
Der nächste Künstler war Sean Paul. Bei ihm hatte ich erwartet, dass er die Leute mitreißt, mit seinen heißen Rhythmen und geilen Schnitten auf der Bühne. Die Auswahl an Songs waren gut und die Masse tanzte und lies die Popos wackeln – das können die Schwarzen richtig gut. Ich fand das Bühnenbild etwas chaotisch, weil da noch so ein dicker lauter Mensch rumgelaufen ist. Den kannte ich aber nicht. Und Sean Paul konnte es nicht lassen zu betonen, dass er noch „Schnitten“ für seine After-Party sucht. In seinen Videos ist er immer der Coole Weiberheld und Macker, auf der Bühne war er irgendwie zappelig und damit recht uncool. Vielleicht haben ihn auch die heißen afrikanischen Frauen nervös gemacht.
Irgendwann war es für die meisten Konzertbesucher so weit. Snoop sollte auf die Bühne kommen. Dabei stand bis vor wenigen Tagen noch nicht fest, ob er überhaupt kommen kann, denn er und 4-5 weitere Männer hatten auf dem Flughafen Heathrow in GB randaliert und waren von der Polizei in Haft genommen worden. Da wollten sie gerade nach SA fliegen. Hier in den Nachrichten hörte man nichts darüber, wir hatten das nur bei .gmx als Schlagzeile gelesen. Deswegen war es bis zum letzten Augenblick spannend, ob er kommt, oder eben nicht.
Doch er kam und er war es 100%ig! Diese Nase gibt es nur einmal. Irgendwie war das der gigantischste Augenblick am Abend! Alle sprangen und tanzten. Es war laut und mitreißend. Ich wusste vorher nicht recht, was ich von Snoop halten sollte, doch als er da war überzeugte er mich von allen bisher gesehenen Künstlern am meisten. Er war so, wie man ihn kannte, groß, schlacksig, locker, … . Er bewegte sich, als wäre die Bühne sein Zuhause. Er schlürfte sein Bierchen, er rauchte sein Zigarettchen, rappte so ein Bissel rum und freute sich seines Lebens. Er war echt relaxt da oben und hat überzeugend Spaß an der Sache ausgestrahlt.
Snoop hat mich echt begeistert, auch wenn man sich über den Inhalt seiner Texte streiten kann. Er ist einfach eine Institution!
Wir verließen das Stadion kurz vor Ende, da wir nicht in den Stau geraten wollten, der sich offensichtlich nach der Show unvermeidbar bilden würde. Ich wusste zu dem Zeitpunkt schon, dass ich das große Finale verpassen würde, bei dem Snoop noch Pharel zurück auf die Bühne holen würde. Und tatsächlich hörten wir von draußen, dass Mario, der Kleine vom Anfang, und Pharell noch mal mit ihm zusammen performten. Schade, aber naja.
Es war ein aufregender Abend, gigantisch und unvergesslich. Ich würde wieder hingehen!
(Fotos gibt es wenige, denn Bewegte Bilder in der Dunkelheit werden immer leicht verschwommen – ihr kennt das ja - Stichwort: Belichtungszeit)