2006/04/25 - Tafelberg Die Zweite
Erfolgsmeldung aus dem fernen Süden: Die beiden deutschen Studenten, Katrin und Julius, haben erfolgreich den Tafelberg bestiegen.
Bilder die den Erfolg belegen findet ihr unter: http://juliusbeutel.tripod.com/tafelberg_ii/
Gestern bot sich für uns die einmalige Chance, noch eine Wanderung in Angriff zu nehmen. Der Blick nach Stellenbosch verriet uns zugehangene Gipfel. Der Blick zum Tafelberg zeigte zwar auch ein paar Wolken, jedoch ohne Nachschub vom Meer her. Wir brachen also auf – zu unserem zweiten Versuch.
Der Wetterbericht hatte für heut wenig Wind und 0% Regenwahrscheinlichkeit angesagt. Die braucht man auch, wenn man den Tafelberg besteigen will, denn wenn sich mal ein Wölkchen findet, dann hängt dieses sicher im oder über ihm. Es waren zwar nur 20°C Temperatur angegeben, aber zum Wandern eigentlich optimal.
Wir fuhren mit zwei Autos (die anderen beiden Deutschen waren mit). Eines stellten wir an der Talstation der Bergbahn ab und mit dem Zweiten fuhren wir weiter nach Camps Bay, dem Ausgangspunkt unserer Reise.
Über den Kloofnek Weg ging es zwischen dem 3. und dem 4. der 12 Apostel in den Berg hinein, zunächst noch recht flach mit langen kräftigen Schritten, doch dann geradewegs nach oben. Wir schwitzen während wir die Granitstufen nach oben stiegen. Es hatte geregnet am Sonntag, so dass die Gräser mit vielen kleinen Tropfen behangen waren, die in der Sonne glitzerten. Unser Weg wurde oft von kleinen Rinnsalen gekreuzt, die sich stetig ihren Weg ins Tal bahnten.
Je höher wir gelangten, desto kühler wurde es und wir mussten in Bewegung bleiben, um durch geschwitzt wie wir waren, nicht einer Unterkühlung anheim zu fallen. Oben auf den Aposteln genossen wir die wundervolle Aussicht, hatten aber noch mal ca. 300 Höhenmeter bis zur Tafelberg-Hochebene zurückzulegen.
Dieser Weg führte uns durch viele verschiedene kleine Landschaften, an einer Stelle steppenähnlich, dann durch eine Schlucht mit grünen großen Farnen und kleinen Wasserfällen. Manchmal querten wir Wiesen wie auf der Alm aber doch anders. Denn hier sind die Pflanzen ungewöhnlich. Das Gras sieht aus wie Gras, flexibel, saftig grün und weich, doch wenn man es berührt ist es hart, kräftig und trocken. Genauso die Moose und Blumen. Die Struktur sieht der von europäischen Pflanzen sehr ähnlich, aber sie fassen sich immer härter an, gröber und spröder, als man erwarten würde.
Wir machten Rast an einer kleinen Höhle, in der sich das Wasser aus dem Berg gesammelt hat und sich in einen kleinen Wasserfall am Felsen nach unten stürzte. Dort begegnete uns nach 3 Stunden Wanderung ein anderes Pärchen und wie der Zufall so wollte, sie waren deutsch. Die Welt ist doch wirklich klein. Manchmal könnte man denken, Deutschland ist ausgeräumt, weil die Menschen alle im Urlaub sind, in China, in Polen, in den USA, in Spanien, in Australien oder eben auch in Afrika auf dem Wanderweg zum Tafelberg. Ist zu Hause noch irgendwer?
Auf dem letzten Stück des Weges gewannen wir Aussicht in alle Himmelsrichtungen und schauten nach Camps Bay, Hout Bay, Muizenberg und über den Rücken des Kaps. Ein letzter Anstieg führte über Stahlleitern und schmale Pfade hinauf auf den Tafelberg. Immer mehr Touristen begegneten uns auf den letzten Metern. Diese waren teilweise völlig unpraktisch gekleidet, mit kurzem Röckchen, Flip-Flops oder Pumps, bzw. Hemd und Sandalen. Wir hofften für sie, dass sie in dem Aufzug nicht vorhatten, den Abstieg anzutreten. Der war erstens noch lang. Aber auch beschwerlich, gerade, wenn man hinunter will. Gefährlich wäre es außerdem geworden, denn durch den Regen waren manche Wege rutschig. Teilweise waren die Steine ausgetreten oder sandig und damit nicht trittsicher.
Auf dem Tafelberg trafen sich die Nationen. Wir begegneten Iren, Holländern, Belgiern, Franzosen, Arabern, Amerikanern und natürlich Chinesen. Sie wälzten sich von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt und schossen viele bunte Fotos. Das war nicht unbedingt unser Wohlfühl-Augenblick. Wir stärkten uns kurz mit Hotdog und Eis, sahen uns auch noch mal in alle Himmelsrichtungen um, stiegen dann aber doch recht schnell in die Seilbahn, um den Heimweg anzutreten.
Von unten schauten wir stolz nach oben. Wir hatten den „bösen Berg“ doch noch geschafft. Müde und hungrig fuhren wir heim und gingen früh ins Bett.
Und der Muskelkater? Den gibt es diesmal nicht.