Katrin&Julius

Our Year in Capetown

2006/04/20 - Silvermine II

Fotos zu diesem Bericht findet Ihr unter: http://juliusbeutel.tripod.com/silvermine_ii/  

Dank Axel Eggert (Marketing BBG) fallen nächste Woche eine Präsentation und eine Klausur bei uns aus. Er wird nach Südafrika kommen und einige Gastvorlesungen halten. Für uns bedeutet das weniger Research, weniger Lesen, weniger Schreiben, weniger Lernen. Und also haben wir heut Morgen unsere grüne Möhre geschnappt und sind aufgebrochen, um die Nase in die Sonne zu halten und die eingerosteten Knochen in Bewegung zu setzten.

Ein Blick ’gen Osten ließ uns Wolken in den Bergen von Stellenbosh erkennen. Damit stand fest, es sollte wieder in Richtung Cap gehen. Lionshead war eine Alternative, aber keine Tagestour. Der Tafelberg hatte uns letztens so zugesetzt, dass wir ihn noch nicht wieder bezwingen wollten. Silvermine hatte uns beim ersten Mal gut gefallen und dort gab es noch die Muizenberg-Seite zu bekraxeln. Also los.

Auf dem Hinweg machten wir noch den China-Shop an der N1 Bellville Richtung Cape Town City ausfindig. Nachdem wir bisher gelegentlich Zutaten von den Chinesen aus dem 3.Stock geliehen hatten füllten wir hier unser Trockenlager in Dingen China-Food richtig auf. Dort haben wir auch unser heißgeliebtes Mahjong-Spiel gesehen. Das gönnen wir uns dann mal Ende des Jahres, denn 200 Rand gibt man nicht mal so nebenbei aus.

Weiter ging die Fahrt nach Silvermine. Dort angekommen schnappten wir uns Proviant, Wasser, Fotoapparat und Karte und stiefelten los. Wie schön es war, endlich mal auf Anhieb den Weg zu finden. Und dieser Weg war auch noch gut ausgebaut und nicht zu verlieren. So marschierten wir durch die Landschaft aus Felsen, Gräsern, Büschen, Kräutern, … Es war ganz schön warm. Temperaturen von 26°C hatte der Wetterbericht vorausgesagt aber dabei sollte es voll bedeckt und windig sein. Das wäre gut auszuhalten gewesen. Doch der Himmel war blau und die Sonne brannte auf unsere Schultern und Gesichter herab. Zum Glück war es nicht windstill, sonst wäre das Ganze mehr eine von Plagen erfüllte Pilgerfahrt und keine entspannende Wanderung gewesen.

Wieder war die im Prospekt angegebene Zeit übermäßig großzügig angelegt, was die zu bewältigende Strecke anging. Für die erste 2h-Strecke brauchten wir 1h. Der Rundweg sollte noch 2,5h dauern. Wenn wir den wieder in 1h gemacht hätten, wären wir kurz nach Mittag wieder unten gewesen. Wir entschlossen uns also noch ein Weinig im Gelände herum zu klettern. Wir bogen in einen kleine Pfad ein und steuerten auf den nächsthöchsten Punkt zu, um zu sehen, was wohl dahinter läge. Weil hinter dem ersten höheren Punkt aber noch ein etwas höherer lag und das Gelände sich nicht veränderte, mussten wir natürlich schauen, ob sich dort etwas tut. Letztendlich musste ich Julius versprechen nur noch diesen einen letzten zu erklimmen und dann umzukehren. Und als wir oben ankamen, öffnete sich von dort der Blick auf die andere Cap-Seite hin zum Meer. Wir hatten also gefunden, was wir gesucht hatten. Auf unserem Abweg fanden wir links und rechts schöne Proteas, kleine Echsen, ungewöhnliche Sträucher und Gräser. Schön viel zum Staunen und Anfassen.

Zurück auf unserem Weg hatten wir eine knappe Wanderstunde hinzugewonnen und waren um einige Kratzer an den Beinen reicher. Man sollte wirklich lange Hosen tragen, wenn man hier über Stock und Stein kraucht, denn die Pflanzen streifen einen nicht nur im Vorbeigehen, sie hinterlassen Spuren, weil die Hölzer eben etwas zäher, trockener und schärfer sind.

Der Rückweg führte noch einmal hinauf auf die höchste Erhebung im Umkreis auf 540m Höhe. Von dort aus hatten wir wieder einen schönen Rundblick, ähnlich dem von Elephant’s Eye auf der anderen Seite von Silvermine. Wir konnten sogar den See und den Aufstieg zum Elephant’s Eye von hier ausmachen, den wir beim letzten Mal gegangen waren. 

Der steile Abstieg ließ wieder die Beine wie Pudding bibbern und wir waren doch sehr müde, als wir gegen 15Uhr am Auto ankamen. Jetzt war auch das Toilettenhäuschen fertig, welches die Park-Arbeiter und eine Landschaftsarchitektin aus Kanada am Mittag noch fleißig bearbeitet hatten. Wir waren wohl die ersten Nutznießer dieser Anlage.

Da es noch früher Nachmittag war, fuhren wir hinunter nach Simonstown zu unseren geliebten Pinguinen am Boulders Beach. Kostet ja nix, wir haben doch die Wild-Card. Diese hatten wir im Februar für 345 Rand (50€) erstanden und erhalten nun (beide) freien Eintritt in alle Nationalparks und staatliche Resorts landesweit für ein ganzes Jahr. In Boulders ließen wir es Abend werden, beobachteten unsere kleinen gefrackten Kumpanen und wurden Zeugen eines Bademoden-Foto-Shootings am Strand. Das Model war echt hübsch, aber happy sah sie nicht grad aus. Als die Sonne langsam hinterm Cap verschwand, wollten wir so langsam nach Haus.

Doch alles kam anders. Auf dem Herweg hatte unser Autochen schon mal gelegentlich Schluckauf bekommen, was auf schlechte Benzinversorgung oder Getriebeprobleme schließen ließ. Wir hatten schon lange vor, nochmal den Mechaniker aufzusuchen, denn “Groenie” (Name des grünen Passats) hatte hier und da seine Problemchen. Er blinkt nicht, wenn man bremst. Das Licht wird schwach wenn man blinkt. Und die Scheibenwischer wischen nicht, wenn man das Licht an macht und blinkt … oder so ähnlich. Jedenfalls wollte Groenie in Fishhoek plötzlich nicht mehr weiter. Er ruckelte noch gerade so über eine der örtlichen Kreutzungen und in der nächsten Parklücke verstummte er. Wir schauten nach der Benzinzufuhr. Alles dran. Wir überprüften den Ölstand. War etwas knapp, also rein damit. Aber Groenie wollte nicht mehr anspringen. Wir schauten nach den Kontakten bei den Kerzen. Alles saß. Wie weiter?

Julius sprach zwei Polizisten auf der Straße an, um nach einem Mechaniker in der Nähe zu fragen. Aber es war 18Uhr und kein Mechaniker mehr arbeitsbereit oder -fähig. Doch ein Kollege hätte wohl ein bisschen Ahnung und käme gleich mal rum. Die Passanten hatten schon komisch nach uns geschaut, als die beiden Polizisten um unser Auto schlichen. Und plötzlich waren es 4, denn die treten ja immer im Doppelpack auf. Der tolle Kollege schaute ganauso besemmelt in den Motor-Raum wie die andern beiden zuvor. Doch Ahnung schien auch er nicht zu haben. Er erzählte etwas von Benzinfilter und Säubern. Naja.

Es war nun dunkel geworden und mich beschlich die böse Ahnung, wir würden die Nacht im Auto verbringen. Wie? Ihr fragt Euch, warum wir niemanden angerufen haben, der uns abholt, abschleppt, weiterhilft. Guter Tip. Nur leider war das einzig uns zur Verfügung stehende Handy nicht funktionstüchtig, da energielos. Klever, oder? Was hab ich innerlich geflucht. Fotoapperat hat ‘ne Macke, Auto ist krank und Handy unbrauchbar. Super!

Glück im Unglück, wir hätten ja auch in den Bergen liegen bleiben können. Ein weiterer glücklicher Fall gesellte sich hinzu. Ein Passant mit Kinderwagen schlenderte an uns vorbei und rief herüber, sein Schwiegervater wäre VW-Mechaniker und wohne 5 Min. von hier. Der kommt gleich mal rum. 

Die Polizisten machten sich so nach und nach vom Acker. Mittlerweile war es völlig Dunkel. Und weit und breit war keine Hilfe in Sicht. Doch sie kam, schnell und unverhofft. Der Mensch mit seinem Kinderwagen von vorhin und ein älterer Herr mit Zigarette im Mund und Feierabendbier in der Hand kamen angebraust und packten binnen Sekunden Werkzeugkoffer und Taschenlampe aus. Dann wurde hier gefummelt, da gehorcht, dort geruckelt und danach diagnostiziert. Mir war das zwar alles nicht ganz koscher, aber mal sehen. Der Zigarettenmensch machte mir etwas Angst, denn mit Glimmstengel im Mund beugte er sich über den Motorblock, um ein Auge auf Benzinzufuhr und Co. zu werfen. Hmm, spannend!

Wir hatten eine “Schraube locker”. Die war in den Benzin-Verteiler geraten. Zwei der vier Benzinzufuhren bekamen damit unregelmäßig Kraftstoffzufuhr, daher der “Schluckauf”. Wir hatten anscheinend noch Glück gehabt damit, denn wäre sie in den Motor gerutscht, wäre dieser hin gewesen.

Die Initialzündung für die 4 Kerzen war verkohlt. Das wäre normal aber sie müsse alle 5 Jahre mal gewechselt werden und deshalb hatten wir beim Anlassen Schwierigkeiten.   

Dann wurde abgebaut, ausgebaut und wieder eingebaut. Klappe zu und ab die Post. Die Ersatzteile wären gebraucht. Die jetzige Lösung sei nur eine Notlösung. Wir kämen auf alle Fälle bis nach Hause aber sollten doch unbedingt in den nächsten Tagen unseren Mechaniker aufsuchen. Der müsse sich dieses und jenes und auch die Elektronik anschauen, denn davon hätte er selbst keine Ahnung.

Das Ganze hatte 1 1/2 Stunden gedauert. Wir waren so froh nochmal heil davon gekommen zu sein. Und wir haben mal wieder von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Süd-Afrikaner partizipiert. Wir fragten den Mechaniker, was er denn bekäme. Als Aufwandsentschädigung hätte er gerne 100 Rand (13€). Die gaben wir natürlich. Wer hätte in Deutschland schon nach Feierabend fremden Leuten auf der Straße knapp 2h das Auto zusammen gepuzzelt, noch Teile seines alten Wagens ausgebaut, um sie demjenigen wieder einzubauen? Für hiesige Verhältnisse hat er wahrscheinlich immernoch seinen Reibach damit gemacht, aber uns war das auch recht.

Wir wollten nur noch heim. Wir verzichteten auf unseren leckeren Kauai im Century City, auf das Kinoprogramm in der Tygervalley Mall und fuhren extra einen kleinen Umweg, um blos nicht noch auf der N2 oder der M10 Richtung Bellville zu stranden, wo in den letzten Wochen so einige Anschläge auf Taxen stattgefunden hatten.

Und nun sind wir wieder hier. Müde, heil und um ein Erlebnis reicher.