Katrin&Julius

Our Year in Capetown

2006/04/07 - Tafelberg: Klappe die Erste

Fotos zu diesem Artikel findet ihr hier: http://juliusbeutel.tripod.com/tafelberg/ 

Eigentlich hatten wir vor, am Freitag den Tafelberg zu bezwingen. Eigentlich, denn alles wurde anders, als wir dachten. 

Um den Touristenrouten auszuweichen sind wir nicht die leichtere Strecke gelaufen sondern versuchten den direkten Weg nach oben, der als “mitunter gefährlich, schwer zu finden, mit steilem Anstieg” gekennzeichnet war. Der Weg oder Pfad, oder was auch immer ging uns gelegentlich verlohren und der Anstieg war wirklich teilweise fast senkrecht. An manchen Stellen war der Untergrund so lose, dass Julius Probleme hatte, Halt zum Steigen zu finden. Und wir hofften sehr, nicht umkehren zu müssen, denn was hochzu schwer ist, ist runterzu richtig gefährlich.

Der Wetterbericht hatte für den Morgen Bewölkung angesagt, die sich im laufe des tages auflösen sollte. Am Tafelberg fingen sich allerdings sämtliche Wolken, die vom Meer herein kamen. Auf der kühlen Meerseite des Berges krochen die Wolken hoch und als die über die Kuppe kamen und in die warme Luft übergingen, regneten sie sich ab, also auf unserer Seite. Das war keine angenehme Sache, denn die einzig festen Steine, die noch Standfestigkeit boten wurden nun auch noch rutschig. Gelegentlich mussten wir uns einen Felsvorsprung suchen unter den wir uns vor dem Regen schützen konnten, damit wir nicht durchnässt weiter steigen mussten.

Als wir auf ca. 700-800m Höhe waren eröffnete sich vor uns eine Felsspalte mit Blick auf die andere Seite des Berges und die 12 Apostel. Es pfiff uns ein rauher kalter Wind entgegen und es ging steil ab. Dort muss es irgendwo in der Wand weiter gegangen sein, aber wir werden es nie herausfinden.

Julius bekam Höhenangst, was bei dem Ausblick und der aktuellen Wetterlage durchaus verständlich war und ich war unsicher, doch noch den richtigen Weg zu finden. Wir waren beide schon ganz schön geschafft. Also entschlossen wir uns den Rückzug anzutreten.

Das war vielleicht ne Sache! Die Steine waren regennass und rutschig, der Tritt war unsicher und es ging steil abwärts. Mit der Zeit wurden die Knie wackelig und die Beine konnten kaum mehr das Körpergewicht abfangen. Als wir beinahe unten waren trafen wir zwei Wanderer, die uns erklärten, dass es einen Weg gegeben hätte. Der wäre aber recht anspruchsvoll, noch einigermaßen lang (1,5h) und schwer zu finden. Er riet uns, am Scheidepunkt der Wege, den anderen, leichteren zu versuchen. Der wäre auch sehr schön und würde uns in 2 Stunden zur Bergstation der Seilbahn führen.

Aber wir entschlossen uns trotzdem für den Heimweg. Die Kraft reichte gerade noch, um zurück zur Talstation zu kommen, wo unser Auto stand. Wir wären sicher noch hoch gekommen aber auf keinen Fall mehr nach unten und das Ticket für die Seilbahn war uns einfach zu teuer (R60 p. Pers. ca. 9€ -> Kurs: 1€=7,3R). Julius Beine waren so erschöpft, dass er kaum noch die Kupplung beim Auto treten konnte, weil die Muskulatur zuckte.

Wir fuhren zum Century City in die Mall “Canal Walk” und gönnten uns beim heißgeliebten KAUAI Helth Food Restaurant ein gutes Sandwich plus Energy Drink. Als nächstes kauften wir Julius eine Regenjacke, zur Vorbereitung auf kommende herbstliche Wandertouren.  

Heute humpeln wir so durch die Wohnung und pflegen unseren Muskelkater, vermeiden jede Steigung und jedes Gefälle und bewegen uns bedächtig und krumm wie Opchen und Omchen. Das war ein echtes Abenteuer. Dabei hätte ich schwören können, wir bezwingen den Tafelberg um ein Leichtes. Naja, was solls. Montag versuchen wir’s nochmal - wahrscheinlich.