2006/06/01 - Fortsetzung
Bilder findet ihr unter: http://edwinbeutel.tripod.com/fortsetzung
Es dauerte weniger lange, als wir gedacht hatten, bis wir wieder da waren. Donnerstag hatten wir uns vorgenommen eine kleine Firma zu suchen, für die wir im kommenden Semester eine Marketing-Strategie schreiben können – Semesteraufgabe im Fach strategisches Marketing.
Wir fuhren also wieder in die Stadt, zunächst ins deutsche Viertel, um möglicherweise dort kleine Firmen zu finden, die von deutschen geführt werden.
Ihr fragt euch jetzt sicherlich, warum wir keine südafrikanischen Firmen nehmen wollen. Wir sind ja schließlich in Südafrika und wollen den südafrikanischen Markt kennen lernen, wollen mit Einheimischen in Kontakt kommen und die englische Sprache im Gebrauch verbessern. Richtig! Das sind alles relevante Punkte. ABER!
Es geht hier um eine Semesterarbeit, die pünktlich bis November fertig werden soll. Da muss man sich auf die Zusammenarbeit verlassen können. Es müssen regelmäßig Termine vereinbart werden, zu denen man über das Projekt spricht, Fragen klärt, den Fortschritt evaluiert, usw., doch Südafrikaner halten Termine nicht ein und sagen Termine regelmäßig ab.
Es muss eine kontinuierliche Zusammenarbeit bestehen für 5 Monate, doch Südafrikaner kanzeln solche Sachen ganz schnell mal eben so, wenn es zu einer Belastung für sie wird.
Es müssen Daten ausgetauscht werden, vertraulich aber notwendig zu wissen. Doch wir sind weiß und zudem Ausländer, warum sollte ein einheimisches KMU (Kleines- oder Mittelständisches Unternehmen) uns Einsicht in die Firmengrundlagen gewähren?
All diese Überlegungen sind nicht auf unserem eigenen Mist gewachsen. Unser Dozent Herr Huckle hat uns darauf hingewiesen wir sollen genau überlegen, mit wem wir zusammen arbeiten wollen. Letztendlich hängt davon ab, ob wir eine gute Arbeit schreiben, ob wir überhaupt eine Arbeit schreiben und damit auch, ob wir das Fach bestehen oder eben nicht.
Jedenfalls sind wir im deutschen Viertel nicht fündig geworden. Wir haben die deutsche Schule gefunden und eine Kirche, aber das Ganze ist mehr Wohngegend als alles Andere. Gearbeitet wird unterhalb in der Stadt oder in größeren Firmen wie Siemens.
Eine weitere Idee war, den Pastor in der Kirche zu fragen, ob er Firmen kennt, die von Deutschen Einwanderern geführt werden, denn er wird sicherlich seine Schäfchen gut kennen in der kleinen Gemeinde oder so was wie Spendenverzeichnisse haben, in denen Firmen aufgeführt sind. Doch die Kirche war verriegelt und verrammelt.
Jetzt bleiben noch zwei Möglichkeiten. Wir konnten nach Hout Bay fahren zu Nils seinem Nachbarn und diesen fragen. Der Student, der vor uns hier war, war für die zeit seines Praktikums bei einem deutschen Paar zur Untermiete untergekommen. Da hätten wir aber noch weit fahren müssen.
Montag hatten wir auf dem Heimweg noch nach Unterkünften geschaut für meine Eltern, die im Herbst (SA Frühling) herkommen möchten. Dabei sind wir durch Zufall an eine koloniale kleine feine Lodge geraten und diese wird von einer Deutschen geleitet. Diese war ganz in der Nähe und wir konnten die nette Dame zumindest fragen, ob sie jemanden kennt, der jemanden kennt oder so.
Also fuhren wir hin. Der Zufall spielte uns noch mal zu und so stellte sich heraus, dass die Hausherrin selbst daran gedacht hat, ihr Marketing zu überdenken, weil sie in den Wintermonaten (April bis September) immer weniger Buchungen zu verzeichnen hat, besonders in diesem Jahr.
Das ist zwar ein schwieriges Projekt, weil ihre Zielgruppe in Europa sitzt und sehr eingeschränkt ist aber wenn sich sonst nichts mehr ergeben sollte, hätten wir auf jeden Fall was und draus machen kann man auf jeden fall etwas, denn schon beim ersten Kontakt am Montag sind uns Verbesserungswürdigkeiten aufgefallen, z.B. in der Preisstruktur.
Außerdem haben wir noch die Adresse vom deutschen Konsulat bekommen, die ein Verzeichnis von deutschen Firmen führen sollten und die vom Deutschen Business Club von Kapstadt.
Danach haben wir beschlossen, der Tag wäre erfolgreich genug gewesen und wir können uns nun noch einen halben Tag frei gönnen. Wir suchten einen kostenlosen Parkplatz in der Nähe des Parks und er Museen. Danach gingen wir beim Mexikaner lecker Tachos mit Guakamole essen. Gesättigt und zufrieden wanderten wir zum Park und wollten uns den Zeitplan für die Programme im Planetarium anschauen.
Mal wieder zufällig sollte in 20 Minuten um 14Uhr eine Vorführung sein. Kurzerhand kauften wir Karten für 8 Rand Studententarif (beim aktuellen Kurs umgerechnet 1€) und lernten etwas über das Kreuz des Südens, das Sternbild des Skorpion, des Adlers, des Zentaur und den Himmelbildern im Sommer und Winter.
Ganz verschlafen von dem dunklen Raum und den bequemen flachen Sitzen unterm Sternenhimmel gönnten wir uns erst mal einen Kaffee mit Kuchen.
Vom Planetarium aus konnte man kostenlos ins Nationalmuseum, wo wir uns noch kurz Kunstgegenstände von afrikanische Stämmen und die ausgestopften Vögel und Säugetiere angeschaut haben, unter anderem auch die geliebten Vögel, die mit viel Krach morgens und abends über den Campus zu Schlaf- oder Futterplätzen fliegen. Die heißen „Ibis“.
Nach dem Museum schlenderten wir durch den Park in Richtung Auto zurück und - ach du Schreck – wir hatten wieder nichts für die Eichhörnchen dabei. Drei Männer im Business-Dress kamen vorbei. Einer von ihnen begann in seiner Aktentasche zu kramen und bracht eine Tüte Erdnüsse hervor. Er hielt sie uns hin und meinte, damit könnten wir den ganzen Nachmittag Spaß haben. Wir freuten uns wie kleine Kinder und bedankten uns bei ihm. Dann suchten wir uns eine Bank unter den gutriechenden Eichen und zerkrümelten die Nüsse in unserer Hand. Es dauerte nicht lang, da hüpften eins, zwei, drei freche kleine graue Gesellen daher und mopsten die Nusskrümel aus unserer Hand. Das war so süß. Die Dinger sind so weich und schnuffelig. Als ich dann Nachschub aus der Tüte nahm, muss das so verführerisch geraschelt haben, das ein Squirrel sich kurzerhand dazu entschloss, meinen Schoß zu erklimmen und die Nase in die Tüte zu stecken. Nun kraxelte das lustige Tierchen auf mir herum und konnte es gar nicht abwarten, bis ihm neue Nüsschen-Portionen angeboten wurden. Als Julius das auch versuchte konnte ich mal ein Beweisfoto schießen. Das macht Spaß, das sag ich euch!
Einige Meter weiter haben wir Touristen gesehen, die verzweifelt versuchten Fotos von den flinken Tierchen zu schießen. Denen haben wir dann die restlichen Nüsse in die Hand drücken wollen, doch sie wussten nicht warum. Wir lockten wieder ein Eichhörnchen an und überließen dann das Feld den entzückten Deutschen. Dass sie deutsch waren, stellte sich schnell heraus, aber wir gingen nicht dazu über mit ihnen deutsch zu sprechen. Witzig, dass sie es nicht auch an unserem Akzent bemerkt haben. So haben wir unser Glück an diesem Tag auch noch geteilt.
Am Abend fuhren wir durch den Feierabendverkehr wieder richtung Tygervalley-Mall, um unseren Wochenendeinkauf vorzunehmen und für Julius Hosen zu kaufen, denn irgendwie geben die zur Zeit alle nacheinander den Geist auf. Für insgesamt drei Hosen und einem neuen Leder-Gürtel kamen wir auf 65Euro.
Insgesamt doch eine recht erfolgreiche Woche.