2006/03/25 - Elephant’s Eye - Silvermine
Hier findet ihr Bilder zu diesem Bericht:
http://katrinworlich.tripod.com/elephants_eye_silvermine/index.album?i=1&s
Es war endlich mal wieder so weit. Wir hatten frei. Und warum? Der für Montag angesetzte Test viel aus. Also brachen wir Samstag früh auf, um endlich das zu verwirklichen, wovon wir seit unserer Ankunft schon tausend mal gesprochen hatten. Wir wollten wandern gehen.
Da wir seit letzter Woche stolze Besitzer einer Wild-Card sind, kommen wir nun ein ganzes Jahr kostenlos in jeden Nationalpark. Silvermine ist einer davon. Er liegt nördlich von der Cap-Spitze aber noch südlich von Cap Stadt. Dies war unser heutiges Ziel.
Da wir keinerlei Ortskenntnisse hatten, mussten wir trotz grober Karte erst den Beginn des für Wanderer ausgezeichneten Weges suchen. Wir hatten uns nicht getraut, den erst besten Pfad zu benutzen, da wir nicht einschätzen konnte, ob dieser uns zum Ziel oder ins St. Nimmerleins-Land führt. Also gingen wir ein Stück die Straße entlang, bogen dann ab auf einen Mountainbike-Trail und landeten - ups - doch auf einem Trampelpfad, welcher sich als unser Wanderweg herausstellte. Verwirrend waren auch die Zeitangaben für die Dauer des Weges. Wir standen jedenfalls urplötzlich vor unserem ersten Ziel, einem Stausee unterhalb des Berges Constantia. Dabei hatten wir gerade 2/3 der angegebenen Marschdauer zurückgelegt.
Der Ausblick war wunderschön. Die Luft war angenehm frisch. Das Wasser hatte eine schöne Temperatur, um kurz die Füße darin zu kühlen. Der See war umgeben von kräftigem Grün, hunderten Arten von Pflanzen, Blumen, Schilf und Sträuchen. Die Bergspitze am Horizont hüllte sich noch in Wolkennebel.
Wir umrundeten den See und entschlossen uns aufgrund der Kürze der bisherigen Strecke, doch noch weiter zu gehen und bis Elephant’s Eye zu wandern. Es ging also weiter begrauf und es weitete sich der Blick in alle Himmelsrichtungen. Von dort oben konnte man Muizenberg auf der einen Seite, Simonstown auf der anderen sehen und über den Kamm des Gebirgszuges entlang in der Ferne das Kap erkennen, wo sich das Meer von Westen und Osten her trifft.
Am Wegesrand haben wir das erste Mal eine der großen Proteas gesehen, der Nationalblume Südafrikas. Immer wieder schlüpften kleine Eidechsen vor unseren Füßen ins Gebüsch oder unter Spalten im Gestein. Fremdartige Pflanzen ließen uns manchmal stoppen, um genauer darauf zu schauen, sie anzufassen oder daran zu riechen. Aber zuordnen konnten wir sie trotzedem nicht.
Oben angekommen genossen wir den Ausblick auf Elephant’s Eye neben und Cape-Town unter uns. Wir packten unser kleines Lunch-Packet aus und machten Rast bei diesem Panorama. Elephant’s Eye ist eine Höhle im Fels und mit ein bisschen Kreativität und Vorstellungskraft erkennt man auch den Elefanten im Berg. Für mich sah er aus, als würde ein Kuscheltier bäuchlings auf der Lehne einer Couch liegen. Wenn ihr das Foto seht, interpretiert es gerne selbst.
Bei neuen Kräften stiegen wir noch etwas höher und in das Auge des Elefanten. Nachdem wir darin etwas rumgekraxelt sind, traten wir den Heimweg an. Unterwegs begegnete uns noch ein frecher Käfer. Der war ca. 7cm lang und 4cm breit und hatte ein stabilen braun-schwarzen Panzer. Dieser Käfer konnte fauchen! Kam man ihm zu nahe, dann stellte er seinen Rücken wie ein Schutzschild gegen den “Feind” und fauchte wie eine Katze. Das machte Eindruck. Wir jedenfalls hatten nicht den Mut, ihn zu berühren oder uns sonst bis auf 20cm ihm zu nähern. Wir wurden nur zu einem kurzen Spiel mit ihm verleitet, indem wir einmal rechts und einmal links neben ihm auf der Erde scharrten, wobei er seinen Körper in die jeweilige Richtung aufbaute und somit ein kleines Tänzchen aufführte. Ein lustiges Kerlchen!
Weil wir die Zeit für die Wanderung überschätzt hatten und viel früher als erwartet wieder den Ausgangspunkt erreichten, entschlossen wir uns, den Nachmittag zu nutzen, um noch kurz nach Simonstown runter fahren und Boulders Beach mit seiner Pinguin-Kolonie zu besuchen. Auch dafür hatten wir jetzt Dank der Wild-Card freien Eintritt. Wir schauten also mal in allen Ecken nach, ob die Babys schon geschlüpft waren. Viele konnten wir nicht entdecken. Drei-vier dicke Jungtiere saßen zwischen den Füßen ihrer Eltern, aber der Großteil der Eier lag noch in seinen Nestern wie vor wenigen Wochen. Aber es gab mehr Pärchen, die sich um die Erdlöcher stritten. Vielleicht hocken auch schon ein paar ganz Kleine in den wind- und feind-geschützten Mulden. Die Möven haben natürlich wieder ihr Unwesen getrieben und Nester ausgeraubt, um die Eier dann im Flug auf den Felsen fallen zu lassen und den Inhalt zu verspeisen. Aber es gibt ja noch viele mehr.
Glücklich und müde fuhren wir am Abend zurück nach Haus.